Kaum zu glauben, der Januar 2026 ist schon vorbei und am ersten Tag des zweiten Monats besuche ich mein erstes Konzert des neuen Jahres mit der Musik von Leoš Janáček, George Gershwin und Jean Sibelius. Am Pult steht PAAVO JÄRVI und die Solistin des Abends ist HÉLÈNE GRIMAUD, alles sehr gute Vorzeichen für ein grandioses Konzert mit dem Tonhalle Orchester Zürich…
Die Suite aus Janáčeks wunderbarer und leider viel zu selten gespielter Oper „Das schlaue Füchslein“ ist ein toller Start in dieses eigentlich interessante Konzertprogramm meines ersten Konzertbesuches 2026 und ich gebe zu, ich hatte schon etwas Entzugserscheinungen und Sehnsucht nach der Tonhalle. Und zu Janáčeks Suite bzw. der Musik aus dieser absolut sehens- und hörenswerten Oper habe ich sowieso einen ganz besonderen Bezug, denn sie begleitet mich fast mein ganzes Leben, aber das ist eine andere Geschichte (und soll auch ein anderes mal erzählt werden…). Sehr schön und filigran, wie das Orchester diese tolle Partitur präsentiert, so viele wunderbare kleine Details, fein herausgearbeitet und in allen Farben schimmernd, wenn man das Werk gut kennt, hatte man seine pure Freude und wusste genau, welches der vielen Tiere gerade am Zuge ist. Ganz anders dann Gershwins grossartiges Concerto in F, welches man wohl als Highlight dieses Programms erwarten durfte. Für mich hat sich das leider nicht eingelöst, ich habe es als ziemlich langweilig wahrgenommen. Ok – sehr gut musiziert (wunderbar etwa HEINZ SAURER an der Trompete, die vielen Klarinetten und natürlich die Herren vom Schlagwerk….), aber es fehlte der Schmackes, es fehlte der Biss, der Jazz. Eben genau das, was man von diesem Konzert erwartet und gewohnt ist. Ich habe dieses Werk nun schon so oft im Konzert erlebt, auch in der Tonhalle (ebenfalls Paavo Järvi am Pult mit Kirill Gerstein und auch mit dem immer wieder überragenden Wayne Marshall, unter Krzysztof Urbanski mit Jean-Ives Thibaudet und zuletzt auszugsweise in der Produktion „An American in Paris“ am Grand Théâtre de Genève)), aber leider noch nie dermassen uninspiriert, wie an diesem späten Sonntagnachmittag. Als wäre es für Paavo Järvi eine Pflichtübung, ohne Lust und Biss und Leidenschaft, so kennt man ihn sonst nicht. Naja, kann passieren, war jedenfalls schon eine kleine Enttäuschung, aber Grimaud – die ich lange nicht mehr live am Flügel hatte (war es 2016 mit Brahms 2. Klavierkonzert?) – wurde dennoch mit Standing Ovations gefeiert und gab zwei wunderbare, irgendwie einlullende Preziosen von Rachmaninoff und Silvestrov als Zugabe. Das hat mich dann doch etwas entschädigt, bevor ich in die Pause gehe.
Leoš Janáček: Suite aus der Oper „Das schlaue Füchslein“ – George Gershwin: Concerto in F – Encores Hélène Grimaud: Sergej Rachmaninoff: Études tableaux op. 33, Nr. 3 & Valentin Silvestrov: Bagatelle Nr. 2 – Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 5 Es-Dur op. 82


Nach dem hervorragenden Janáček war ebenso klar, dass der Sibelius auch wunderbar werden würde – Sibelius, das kann Järvi, das fühlt er, das lebt er – und so war es dann auch. Auswendig dirigiert, voller Leidenschaft, auch wenn die 5. Sinfonie nicht unbedingt mein Favorit ist, so hat mich das letzte Werk des Konzerts doch sehr begeistert. Diese Musik macht auf mich immer einen etwas unentschiedenen Eindruck, fast so, als wusste Sibelius nicht so recht, was er damit sagen wollte und dennoch gibt es diese sehr schönen Bläser-Passagen und seltsamen Pizzicato-Momente der Streicher und zuletzt diesen Pathos, fast so, also wolle die Musik uns im Saal überfluten. Wenn ich nun nochmals darüber nachdenke, muss ich sagen, dass mir am besten die Janáček-Suite gefallen hat. Ein schöner Ausklang des Wochenendes war es allemal.
What’s next auf meiner Orchester-Konzert-Agenda? Im Rahmen des Sonic-Matter Festivals spielt das Tonhalle Orchester unter der Leitung von Pierre-André Valade und mit Leila Josefowicz (endlich mal wieder!) an der Violine Werke von Hanna Kendall, Thomas Adés und Unsuk Chin.
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