ARCIMBOLDIS COLUMN #29: Political correctness in der Oper – Piotr Beczala und das „Blackfacing“…

Dieses Jahr Corona-bedingt keine grossen Skandale in und um Bayreuth, keine Veröffentlichungen von diffamierenden Biografien aus dem Clan-nahen Umfeld. Die Festspiele sind schlichtweg abgesagt, da lohnt sich kein Polemik-Marketing oder Familien-Bashing. Stattdessen erscheint im St. Galler Tagblatt ein Interview von Christian B. mit dem polnischen Tenor Piotr Beczala, das eigentlich der Aufreger der Sommer-Saison sein müsste – aber es regt sich niemand auf…

Und das erstaunt mich doch sehr. Während die ganze Welt auf den Hashtag #blacklivesmatter aufspringt und sich zu Recht über das Vorgehen der Polizei in den USA aufregt, Anti-Rassismus-Demos trotz Corona organisiert und auf die Strassen geht, plaudert der Herr Tenor über seine Pläne „Otello“ („Der Mohr von Venedig“…) singen zu wollen und findet es ganz normal, sich dafür schwarz anzumalen, dazu sagt er: „Es ist lächerlich, dass man sich nicht mehr vorstellen kann, Otello in einem Theater schwarz zu schminken. Jemandem verbieten, sich schwarz anzumalen, wenn er Otello singt? Verbieten, einer Butterfly Schlitzaugen zu malen? Das ist schwach, selbst wenn es Gründe dafür gibt…“ Da frage ich mich: „Geht’s noch Herr Beczala?“. Sie sind ja nicht der einzige Sänger, der diese Partie singen kann und will, es gibt auch Kollegen mit dunkler Hautfarbe (falls das so wahnsinnig wichtig ist) und so begabt wie Sie sind, können Sie das auch ungeschminkt und weiss singen. Oder wie fänden Sie es, wenn plötzlich alle schwarzen Sänger sich für einen Lohengrin weiss schminken müssten? Erinnern Sie sich an die „schwarze Venus“ Grace Bumbry in Bayreuth? Und das Unverständnis damals, 1961? Und wie sind die Besetzungen im Jahre 2020? Viel getan hat sich nicht. Und Sie – Herr Beczala – plaudern darüber – ganz nonchalant ohne nachzudenken. Da kommt mir die Galle hoch. Und Herr Journalist C. B. hakt auch nicht nach, sondern lässt das umkommentiert im Interview stehen und plappert gleich weiter mit dem nächsten Thema Corona-Virus und Salzburger Festspiele. Sie sind ein wirklich unglaublich toller Sänger Herr Beczala (zuletzt in der famosen Operettengala am Opernhaus Zürich), aber mit solchen Ansichten möchte ich Sie nicht mehr auf einer Bühne erleben. Die weissen Herrenriegen in den Intendanten-Etagen scheint eine derartige Äusserung auch nicht wirklich zu interessieren, aber die lassen auch Domingo und Konsorten weiterhin auftreten, obwohl auch hier relativ klar ist, dass da viel Schlimmes passiert ist. Ach stimmt, man hat sich ja entschuldigt! Der Opernbetrieb gehört dringend saniert. Und es passiert einfach nichts. DAS ist für mich der Aufreger des Sommers, wirklich!!!

Die letzten Kolumnen zur ungeplanten C-Entschleunigung findet man hier:

ARCIMBOLDIS COLUMN #24: DIE UNGEPLANTE C-ENTSCHLEUNIGUNG – PART 1

ARCIMBOLDIS COLUMN #25: DIE UNGEPLANTE C-ENTSCHLEUNIGUNG – PART 2

ARCIMBOLDIS COLUMN #26: DIE UNGEPLANTE C-ENTSCHLEUNIGUNG – PART 3 – Travelling

ARCIMBOLDIS COLUMN #27: DIE UNGEPLANTE C-ENTSCHLEUNIGUNG – PART 4

ARCIMBOLDIS COLUMN #28: DIE UNGEPLANTE C-ENTSCHLEUNIGUNG  PART 5 – Restart 

6 Comments

    1. arcimboldis_world

      Ich finde es auch interessant, dass viele Leute aus meinem Umfeld, die im Kulturbereich arbeiten, so etwas auch noch verteidigen, aber immer das Gefühl haben, so korrekt zu sein. Dann aber nichts über ihren Sänger oder wem auch immer kommen lassen, obwohl derjenige komplett unmöglich ist, ich habe mal etwas auf Twitter gepostet, als die ersten Vorwürfe zu Domingo kamen und habe einige total erboste comments erhalten. Ich bin da auch rigoros, wenn jemand in der Öffentlichkeit steht und so einen Bullshit redet, dann gehört er abgestraft. Jeder kann ja reden was er will, aber er muss dann eben auch die Konsequenzen dafür tragen.

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