Flashdance – Maaghalle Zürich Premiere 20.09.2018

1983 – also vor 35 Jahren – kam der Musik- und Tanzfilm „Flashdance“ weltweit in die Kinos und wurde für den Titelsong „What a feeling“ von Giorgio Moroder, gesungen von Irene Cara, mit einem Oscar ausgezeichnet. 2008 startete die Musicaladaption im Londoner West-End. Nun touren zeitgleich zwei Produktionen im deutschsprachigen Raum, die Version der englischsprachigen UK-Tour erlebte in der MAAG-Halle seine Zürcher Premiere…

Um es gleich vorneweg zu sagen: Der Film, wenn man ihn heute sieht, ist sehr gut gealtert und begeistert immer noch durch die vielen grossartigen Tanzszenen sowie dem Soundtrack mit vielen bekannten Songs – im Grunde jedoch ist der Film ein einziger gut geschnittener Videoclip mit einer allseits bekannten schmalzigen Handlung: armes tanzbegeistertes Arbeiterklasse-Mädel arbeitet tagsüber als Schweisserin, tanzt abends im Nachtclub und träumt von einer grossen Ballettkarriere, sie verliebt sich in ihren Chef und erhält zum Schluss, nach einer Audition an der Tanz-Akademie, den heissbegehrten und erträumten Ausbildungsplatz und natürlich den Mann fürs Leben. Der Film lebt vom Charme der Darsteller (vor allem der bezaubernden Jennifer Beals), dem Achtziger Jahre-Flair und – wie bereits erwähnt – den tollen Songs und Tanzsequenzen. Bei der UK-Tour-Musicalfassung ist davon leider nicht mehr viel zu spüren: Die Bühne eine typische Tournee-Ausstattung mit vielen variablen Elementen und Treppenkonstruktionen, die man auch für jedes andere beliebige Musical hätte verwenden können, das Licht den ganzen Abend lang dunkel und düster, fokussiert auf die Rampe und erst zur Applausordnung etwas heller und lebensbejahender, die Kostüme – der Handlung entsprechend – mehrere 80er-Jahre Strassenoutfits und diverse Tanzkleidung-Sets die sich abwechseln und variiert immer wieder auftauchen. Eigentlich schade, denn zu Beginn, wenn die ersten Takte des Welthits „What a Feeling“ erklingen (Highlight des Abends: Sasha Latoya in der Doppelrolle Louise/Schulleitung der Akademie), hat man das Gefühl, dass dies ein toller Abend werden könnte. Wird es aber leider nicht. Aus dem Film verbleiben in der Musicalversion nur „What a feeling“, „Manhunt“, „Maniac“, „I love Rock’n Roll“ und das etwas überstrapazierte „Gloria“ (von Umberto Tozzi), die restliche Musik besteht aus unzähligen, alle gleichklingenden Rocksongs und Balladen von Robbie Roth. Die beiden Hauptrollen Alex Owen und Nick Hurley sind mit Joanne Clifton (vor allem im UK bekannt als Champion von „Strictly come Dancing“) und Ben Adams (ehemaliger Leadsänger der Band „a1“ und im UK-Finale von „Celebrity Big Brother“….) prominent besetzt. Joanne Cliftons Rolle der Alex fordert von ihr einiges – viele Tanzszenen, viel zu singen, viel Text, sie meistert alles mit Bravour, bleibt aber, im Vergleich zu einigen ebenfalls sehr präsenten Kolleginnen, auf der Bühne eher unscheinbar, ihr Partner Ben Adams ist mit seiner eher souligen Boy-Band-Stimme leider eine absolute Fehlbesetzung, eine sehr blasse Erscheinung, denn für die Musik aus dieser Zeit hätte es dringend einer eher rockigen Stimme bedurft. Anyway, der Cast spielte sich durch die teilweise witzigen Dialoge und nicht enden wollenden Songs und leider erst beim Finale hatte man das Gefühl, dass auf der Bühne auch etwas Energie vorhanden ist, die sich bis in die letzten Reihen übermittelt. Leider etwas spät, denn bis dahin hat man sich mehr als einmal gefragt, wann denn endlich das grosse Finale mit der bekannten Auditionszene (in der nahezu 1:1 Film-Choreografie) kommt. Die teilweise gross angelegten Ensemble-Choreografien während der Show kommen auf der – für diese Produktion wohl etwas zu kleine – Bühne der Maaghalle leider nicht zur Geltung, häufig wirkt alles etwas gedrängt und reduziert. Der Film ist ein Klassiker des Tanzfilm-Genres und so kann die Bühnenadaption als Musical nur enttäuschen. Wer das Stück noch nicht kennt, sollte sich – statt des Musicals – also lieber den Film ansehen.

Die deutschsprachige Erstaufführung fand übrigens 2013 im Le Théâtre Kriens-Luzern in der Regie von Isabelle Flachsmann mit Nadja Scheiwiller als Alex Owen statt.

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