Madama Butterfly – Oper Zürich 1.1.2018

Was zunächst sehr reduziert und unaufgeregt erscheint (kein Vorhang, weisser leerer Guckkasten zu Beginn des Abends), hinterlässt noch tagelang bei mir seine emotionalen Spuren. Dieser Abend hat mich sehr bewegt. Das hätte ich gar nicht erwartet von der neuen „Madama Butterfly“ an der Oper in Zürich. Denn es sind die Kleinigkeiten und leisen Momente dieser Inszenierung von Ted Huffman, die sehr berühren und betören…..Es ist lange her, seit ich zuletzt eine „Butterfly“ gesehen habe  (huh, 20 Jahre… -1997 an der Hamburger Staatsoper) und so war ich voller Vorfreude. Im weissen und sehr grossen Raum (das von Pinkerton erworbene Haus am Hang…) erscheinen sämtliche Figuren nahezu immer alleine und verloren, auch wenn bereits zu Beginn das Haus möbliert wird und sich später (während des langen Wartens Cio-Cio-Sans auf Pinkerton) alles – aufgrund der finanziellen Verhältnisse – wieder reduziert und nur noch das Nötigste zum Überleben vorhanden ist.  Svetlana Aksenova ist eine hingebungsvolle und leidenschaftlich (naiv) liebende Cio-Cio-San, die erst am Ende des Abends in der Lage ist, sich von ihrem Traum nach Glück zu lösen und eine eigenständige Entscheidung trifft. Sie tötet sich, nachdem man in der Inszenierung für einen kurzen Moment das Gefühl hat, sie geht mit dem Dolch zu ihrem Kind und/oder Pinkerton. Ein grosser Moment. Ein weiterer grosser Moment und ein tolles Bild: die auf dem Sofa wartend liegende Cio-Cio-San in der Nacht nach dem Eintreffen PInkertons in Nagasaki nach 3 Jahren Abwesenheit. Das hat mich sehr berührt. Musikalisch glänzt Svetlana Aksenova in dieser doch sehr grossen und anspruchsvollen Partie (mit der sie weltweit Erfolge feiert), ebenso  überragend (wenngleich er als Pinkerton nicht so wahnsinnig viel zu singen hat) Saimir Pirgu mit seinem Rollendebüt als absolut arroganter und unsympathisch oberflächlicher amerikanischer Marineoffizier. Brian Mulligan ist ein toller Sharpless, der kein grosser Fan von Pinkerton zu sein scheint und gerne trinkt und weg sieht. Judith Schmid überzeugt als treu ergebene Suzuki, Martin Zysset als Goro und Huw Montague Rendall als Yamadori. Tolle Ausstattung (Bühne: Michael Levine/Kostüme: Annemarie Woods/Licht: Franck Evin)!!!

Daniele Rustioni am Pult hat für mich den optimalen Pucciniklang gezaubert: üppig, emotional und wo erforderlich auch kantig und blumig (wunderbarer Summ-Chor /Zwischenspiel zum 2. Akt), aber nie schwülstig. Herrlich war das!

Einziger Kritikpunkt des Abends ist für mich, dass in keinster Weise ein aktueller Bezug hergestellt wurde, sei es zur  #metoo – Debatte, Zwangsheirat/Kinderprostitution (was ist es sonst, wenn ein erwachsener Mann eine 15jährige heiratet?) oder zu Trumps Massgabe: Amerika first (1. Akt: Pinkerton: „Amerika forever“, Sharpless: „Amerika forever“ hat mich irgendwie etwas befremdlich berührt). Aber das hat das stringente Regiekonzept ganz offensichtlich nicht zugelassen. Und dann bleibt noch die Frage:  was ist wohl in den 3 Jahren der Abwesenheit mit Pinkertons Hund passiert?

„Madama Butterfly“ von Giacomo Puccini (1848-1934)

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