Mahler 9 – Simon Rattle & LSO 28.04.2018

Zunächst stellt man sich die Frage – was haben Sir Simon Rattle und das London Symphony Orchestra mit dem Jubiläum „150 Jahre Tonhalle Orchester“ zu tun? Offensichtlich nichts, denn weder im Programmheft noch sonstwo findet sich eine Erklärung hierfür, hauptsächlich schmückt man sich wohl mit dem Namen…

Der Ausklang nach dem Konzert mit Ilona Schmiel wurde dann letztendlich auch abgesagt, hier hätte man ja eine Begründung erfragen können. Nun, da Rattle mit dem LSO ein paar Tage zuvor 2 Konzerte mit Mahlers 9. Sinfonie im Barbican Center in London gegeben hatte, scheint er wohl damit auf Tour zu sein und eine seiner Stationen ist dann eben Zürich. Mahler 9 mit dem LSO unter Sir Simon Rattle ist ja nun nicht einfach ein Konzert, in der Stadt Zürich ist es ein (gesellschaftliches) Ereignis, anders als im KKL, wo sich berühmte Namen zu Festivalzeiten tagtäglich die Klinke in die Hand geben und dies quasi schon zum Kultur-/Konzertalltag gehört. Also Sir Simon Rattle: in gewohnt professioneller Manier präsentiert er vom Pult aus die letzte Sinfonie Mahlers, die dieser komponierte, als er bereits wusste, dass seine Tage gezählt sind – das ist auch die Seite, die Rattle herausarbeitet, über allem schwebt eine tieftraurige Melancholie, Rattle lotet dies teilweise in fast unerträglich langsamen Tempi aus, das Finale ein einziges Dahingleiten aus dieser irdischen Welt (nur unterbrochen durch einige nervige nervöse Hustenanfälle – vielen Dank auch für die Zerstörung dieses tollen Moments der Stille… – offenbar ist Stille immer schwer auszuhalten: Arcimboldis Column #4: Angst vor der Stille?). Ein Abschied Mahlers von der Musik, von seinem Werk. Das nimmt einen mit und bleibt als nachhaltiger Eindruck dieses Konzerts. Hervorragend die Soli (vor allem des Flötisten!) in den vielzähligen Solo-Passagen. Ein tolles Konzert mit langanhaltenden Ovationen für Sir Simon Rattle und das London Symphony Orchestra. Es wird gefeiert. Martin Vollenwyder mittendrin. Hier nochmals die Frage: Was hat das mit dem Tonhalle-Orchesterjubiläum zu tun?

Ich persönlich habe festgestellt, dass für mich Mahler entweder überbewertet wird oder mein Musikgeschmack hat sich über die Jahre dahingehend verändert, dass mir diese spätromantischen Klänge nicht mehr so viel bedeuten. Mir wird immer mehr bewusst, dass wohl jedes Alter seine Musik hat. Mahler, den ich in jungen Jahren ganz toll fand und kein Konzert ausgelassen habe, gibt mir nichts mehr. Ich werde ungeduldig, wenn ich diese Musik höre oder nicke kurz weg nach einem langen Tag, der mit einem derartigen Konzert endet (hahahaha). Nur die „Kindertotenlieder“ bleiben für mich beständig und grossartig, das sinfonische Werk Mahlers langweilt mich immer mehr. Tja. So ist das. Da hilft auch kein Rattle…

 

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