Maria Stuarda – Oper Zürich Premiere 8.4.2018

Donizettis grosser Königinnen-Showdown zwischen Elisabeth I. und Maria Stuart mit den Rollendebüts von Diana Damrau und Serena Farnocchia wurde heiss erwartet – gut so, denn diese hohen musikalischen Erwartungen wurden am Premierenabend erfüllt, anders als die etwas laue und eher belanglose Inszenierung des amerikanischen Regisseurs David Alden…David Alden, der für seine postmodernen Inszenierungen unter Sir Peter Jonas an der ENO und an der Bayrischen Staatsoper München bekannt ist und dort grosse Erfolge feierte (u.a. der phänomenale „Giulio Cesare“) packt zwar immer noch überladene Symbolik auf die Bühne, sonst ist er aber eher ein wenig langweilig geworden. Schade. Denn bei dieser hochkarätigen Besetzung, hätte man auch etwas mehr Zündstoff in der szenischen Umsetzung erwarten können. Sowohl Maria als auch Elisabeth leben beide in nüchternen und von hohen Mauern umgebenen kalten und leeren Räumen und jede zelebriert für sich ihr Leben. Einzig Leicester (Pavol Breslik) als Bindeglied zeigt überschwängliche Emotionen und grosse Operngesten und wirkt dadurch wie ein Fremdkörper. Die beiden Königinnen sind starr und eiskalt und einzig bei Marias Gebet kurz vor der Hinrichtung zeigt sie auch menschliche Regungen. Der Chor ist meist etwas unentschieden auf der Bühne arrangiert und bewegt sich ab und zu in etwas unausgereiften Choreografien, musikalisch jedoch präzise und präsent (Einstudierung: Ernst Raffelsberger). Der Streit um die allgegenwärtige Krone ist im Fokus und es gibt keine interessanten Überraschungen oder Deutungsmomente an diesem Abend. Der Fokus liegt eindeutig auf der Musik.

Und man wartet natürlich auf Fotheringhay, auf die grosse Begegnung von Elisabeth I und Maria Stuart. David Alden hat hierfür ein schönes Bild gefunden. In den kahlen Mauerwänden erscheint (von der Herren-Statisterie etwas albern hin- und hergeschoben) ein Stückchen Natur – ein Stück Freiheit und „Draussen“ – ein begrenzter Garten, analog einem Boxring und hier kommt es auch zum Showdown und der Erniedrigung Elisabeths durch die stolze Maria Stuart. Das ist der einzig wirklich grosse Moment des Abends.

Leider greift Alden häufig auf wirklich platte Symbolik zurück, etwa, wenn kurz vor der Pause nach dem Aufeinanderprallen der beiden Königinnen vom Schnürboden plötzlich ein überdimensionales Skelett erscheint und auf die anstehende Hinrichtung verweist und im 2. Teil Elisabeth dann just aus dessen knochigen Fingern das überdimensionierte Todesurteil zur Unterzeichnung reisst.. (gähn!). Marias Beichte und Gebet kurz vor der Hinrichtung, dann im Halbdunkel an der Rampe, zwar intim, aber szenisch nicht wirklich berührend und etwas blass.

Musikalisch war der Abend dafür umso hinreissender. Diana Damrau (die in der post-Gruberova-Ära ein schweres Erbe antritt) kann noch mehr als Koloraturen stemmen, sie klingt leicht und unangestrengt, ist sehr präsent und nimmt einen mit auf eine glaubwürdige emotionale Reise. Man nimmt ihr sämtliche Gefühle ab, sei es als stolze Katholikin, als berechnende Thronanwärterin, aber auch als liebende Frau. Ihr gegenüber mit schneidend scharfem Sopran Serena Farnocchia immer auf dem Punkt, präzise, eiskalt (und teilweise nicht von dieser Welt). Die Herrenriege hatte gegen die beiden Damen wenig Chance, um mit Aufmerksamkeit zu punkten: Nicolas Testé als Talbot und Pavol Breslik als Leicester (wie immer sehr berührend mit seinem lyrischen Schmelz…)  liessen stellenweise aufhorchen, dennoch hat man das Gefühl, der Regisseur hat sie etwas vernachlässigt, um sich nur auf die beiden Frauen zu konzentrieren. Enrique Mazzola, ein ausgewiesener Spezialist dieses Genres, lässt herrlichen Donizetti aus dem Graben erklingen (manchmal vielleicht etwas unsauber beim Blech), musikalisch war der Abend eine wahre Freude.

Wohltuend an diesem Abend die nicht historisch-stilisierten Kostüme, sondern auf knallige Farbe setzendes Kostümbild der beiden Protagonistinnen – Diana Damrau/Maria eher lebensbejahend gelb und Serena Farnocchia/Elisabeth I. in tiefroter Robe (erinnerte vor allem mit offenem langen Haar ein wenig an ein ätherisches Zauberwesen aus einem Fantasyfilm – das fand ich persönlich sehr interessant und schön…).

Das Premierenpublikum dankte allen – samt Kreativteam – mit begeistertem wohlwollendem Applaus. Kein sensationeller visueller Abend, aber musikalisch äusserst hörenswert! Bravi!

„Maria Stuarda“ von Gaetano Donizetti (1797 – 1848)

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