Bestandsaufnahme GURLITT – Kunstmuseum Bern

Nun waren sie also endlich ausgestellt und zu besichtigen. Eine Vielzahl an Bildern, die jahrzehntelang (teilweise ungerahmt bzw. gerollt) in den Gurlitt-Wohnungen in München und Salzburg verwahrt, versteckt wurden. Eine zweigeteilte Ausstellung im Kunstmuseum Bern und in der Bundeskunsthalle Bonn informierte – interessant und aufschlussreich gestaltet –   über die Kunstpolitik der Nazis sowie über den Umgang mit Raubkunst und „Entarteter Kunst“ im Dritten Reich und zeigte einen Grossteil der Kunstwerke…Und einmal mehr hat man die fürchterliche Erkenntnis, mit welcher Systematik die Nazis gesäubert und sich gleichzeitig bereichert haben. Die Ausstellung in Bern war gegliedert in mehrere Themenbereiche:

A – Berliner Secession / B – Die Brücke / C – Der Blaue Reiter / D – Das Bauhaus / E – Spätexpressionissmus und Verismus

1 – Angriff auf die Moderne / 2 – Verfallskunst / 3 – „Wider den undeutschen Geist“ / 4 – Die Ausstellung „Entartete Kunst“ / 5 – Kunstretter oder Verwerter? / 6 – Moderne Meister versteigert / 7 – Kunstraub in Frankreich / 8 – Rückführung geraubter Kunst / 9 – Die sogenannte Klassische Moderne

Das Kapitel „Entartete Kunst“ war der Fokus in Bern und wurde im grösseren Zusammenhang dargestellt und erläutert, hierbei wurde auch speziell auf die Geschehnisse in der Schweiz eingegangen. Zusätzlich gab es einen Sonderraum „Werkstatt Provenienzforschung“, hier konnte man an Beispielen die Methoden und Herausforderungen der Provenienzforschung nachvollziehen. Für mich, als Deutschen – nach wie vor – emotional und bewegend. Mit welcher Kaltblütigkeit das NS-Regime agiert hat, es hat mir Tränen in die Augen getrieben und mich sehr bewegt. Bei jedem ausgestellten Bild ist die Provenienz angeschrieben, das verdeutlicht das Problem – wem gehört das Bild? Wem wurde es genommen? Wer ist der legitime Erbe und Besitzer? Oftmals nicht zu klären. In Bern werden ca. 160 Werke gezeigt, unter anderem ein Selbstporträt Lovis Corinths. Dieses Porträt wurde vom Kunstmuseum Bern 1939 bei der Luzerner Auktion erworben und führt dem Besucher vor Augen, wie schmal der Grat zwischen Beschlagnahmung und rechtmässigen Erwerb verlief.

WAS IST „ENTARTETE KUNST“?

„Entartete Kunst“ war ein Propagandabegriff der Nationalsozialisten. Während der nationalistischen Diktatur in Deutschland wurde er benutzt, um die moderne Kunst und Künstler jüdischer Herkunft zu diffamieren. Der Begriff Entartung entstammt der Rassenbiologie und wurde Ende des 19. Jahrhunderts auf die Kunst übertragen. Den Nationalsozialisten diente er dazu, Künstlerinnen und Künstler nach rassistischen Kriterien zu beurteilen und Kunstwerke ideologisch zu bewerten. Als „entartet“ galten alle Kunstwerke und kulturellen Strömungen, die mit der Kunstauffassung des NS-Regimes nicht in Einklang zu bringen waren. Darunter fielen Expressionismus, Dadaismus, Neue Sachlichkeit, Surrealismus, Kubismus oder Fauvismus. Darüber hinaus wurden alle Werke von Künstlern jüdischer Herkunft als „entartet“ bewertet. Auch Literatur, Musik und Architektur konnte als „entartet“ gelten.

WARUM BERN?

Auf die Frage, warum das Kunstmuseum Bern von Cornelius Gurlitt als Erbe eingesetzt wurde, gibt es keine eindeutige Antwort, lediglich verschiedene Spekulationen. Cornelius Gurlitt hat das Kunstmuseum Bern zu Lebzeiten zwar besucht, hatte aber keine persönlichen Beziehungen zum Haus. Mit Bern verbanden ihn geschäftliche Kontakte zu Galerien und Auktionshäusern sowie die Erinnerung an Besuche bei seinem Onkel Willibald Gurlitt, der von 1946 bis 1958 in Bern Musikwissenschaften unterrichtete.

(Ausstellungsflyer Kunstmuseum Bern)

Eine wichtige Ausstellung, intelligent kuratiert und man darf gespannt sein auf den nächsten Teil „Bestandsaufnahme Gurlitt Teil 2 – Der NS-Kunstraub und die Folgen“  im Frühjahr/Sommer 2018. Dieser zweite Ausstellungsteil war bereits in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen und hatte dort mehr als 150000 Zuschauer.

Bestandsaufnahme Gurlitt“ in Berlin: 14. September 2018 bis 7. Januar 2019
im Gropius Bau, Berlin

„Bestandsaufnahme Gurlitt – Teil 2“ im Kunstmuseum Bern vom 19. April bis 15. Juli 2018

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