Häuptling Abendwind – Oper Zürich 26.03.2018

Zum zweiten Mal realisierten das Opernhaus Zürich und das Theater Kanton Zürich zusammen eine Produktion – letztes Jahr Mozarts Singspiel „Der Schauspieldirektor“ und nun Offenbachs „Vent du soir ou l’horrible festin“ – zu neudeutsch „Häuptling Abendwind“. Offenbach steht in der Regel für spritzige Musik, Gesellschaftskritik, schwungvolle Can-Cans und Tanzbein-Melodien, satirisch-hintergründig, gerne auch mal versetzt mit vorhandenen Musiken – hier gibt es platten Humor, gähnende Langeweile und die Musik tritt in den Hintergrund…

Erster Fehler: den für die Tournee in kleinsten Spielstätten konzipierten Abend in das Zürcher Opernhaus zu übernehmen – gähnende Leere am Abend der Vorstellung. Zweiter Fehler: kein Vertrauen in die Musik von Offenbach: ein neuer Plot von Stephan Benson soll es richten. Misslungen! Die eh schon abstruse (und dadurch eigentlich wunderbare Geschichte) wird nun noch aufgepeppt durch Reality-TV und eine blöde Rahmenhandlung, die vorhandene Musik „dramaturgisch ergänzt“ mit Gassenhausern aus Webers „Freischütz“ oder Strauss‘ „Fledermaus“ – so boring! Statt dem Stück mehr Profil zu verleihen und die witzige Geschichte zu erzählen, setzt Rüdiger Burbach auf Klamauk und Schenkelklopfer-Humor. Die Musik von Offenbach gerät ins Hintertreffen, man hofft der (peinliche) Abend möge bald enden. Einziger Lichtblick der Produktion ist Fabienne Hadorn, das war es dann aber auch schon. Katharina von Bock als Abendwind ist nicht witzig, Stefan Lahr als Jim McNair nervt als „verrückter Professor“-Persiflage. Thomas Barthel als Musikalischer Leiter ist anwesend und versorgt den Abend mit Musik – hat aber leider keinen Raum, dem Abend und der Produktion ein Profil zu geben. Schade. Da nützen auch die Pinguin-Attitüden seiner kammermusikalischen Besetzung nicht viel. Die Sängerkollegen Omer Kobiljak (Bär/Arthur)), Soyoung Lee (Atala) und Karina Demurova (Ho-Gu) liefern ihre Nummern gut und präzise, geraten aber durch den überwiegenden Klamauk ins Hintertreffen. Insgesamt eigentlich eine wunderbare Idee, das Theater Kanton Zürich und das Opernstudio zu vereinen (tolles Potential und mit Rüdiger Burbach grundsätzlich ein solider Regisseur, der weiss was er macht) – hier aber leider misslungen. Man ist weder erheitert, noch belustigt, sondern einfach nur froh, wenn die eineinhalb Stunden ohne Pause vorbei sind. Puh! Geschafft! Schade!

„Häuptling Abendwind oder das gräuliche Festmahl“ von Jacques Offenbach (1819-1880)

 

Diesen Beitrag von arcimboldis_world kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s