Richard Russo – Ein Mann der Tat.

Nach „Diese gottverdammten Träume“ und „Ein grundzufriedener Mann“ ein weiterer herrlicher Roman des amerikanischen Autors und Pulitzer Preisträgers Richard Russo„Ein Mann der Tat“ ist die Fortsetzung von „Ein grundzufriedener Mann“ und spielt etwa 10 Jahre später. Ab der ersten Seite hat man das Gefühl, diese Figuren und Handlungsorte in Bath  (einer Kleinstadt im Nordosten der USA) nie verlassen zu haben, es sitzen immer noch die selben traurigen Gestalten in den selben traurigen Bars am Tresen und führen die selben traurigen Gespräche. Sie sind einem vertraut und man ist gespannt, wie es ihnen geht, was sie jetzt bewegt, wie das Leben weitergeht im abgetakelten Provinzstädtchen, das vor vielen Jahren einmal wohl auch bessere Zeiten gesehen hat, sich nun aber im Niedergang befindet. Nun liegt der Fokus nicht mehr auf den lieb gewonnenen Sully, der Hauptfigur der vorhergehenden Geschichte, sondern auf seinem „Feind“ aus früheren Tagen: Chief Raymer:

Eigentlich sollte das Memorial-Day-Wochende für alle Bewohner von North Bath eine Zeit der Ruhe und Besinnung sein. Aber in diesem Jahr ist es, als hätte jemand ungebeten die Büchse der Pandora geöffnet. Chief Raymer, der Leiter der Polizeidirektion, kollabiert auf einer Beerdigung, fällt ins offene Grab und verliert dabei das einzige Beweisstück dafür, dass seine Frau ihn betrogen hat. Die Wand eines Gebäudes, das der impotente Bauunternehmer Carl errichtet hat, stürzt ein. Sein ehemaliger Kontrahent Sully hat alle Hände voll damit zu tun, eine schwere Krankheit vor den Menschen, die er liebt, zu verheimlichen. Und zu allem Übel ist auch noch eine illegal gehaltene Giftschlange entwichen und irgendwo in den Straßen der Kleinstadt an der Ostküste unterwegs.
Chief Raymer, dem es eigentlich am liebsten ist, wenn die Dinge so bleiben, wie sie immer waren, wird aktiv: Er schreitet zur Tat, um wieder Ordnung in das verheerende Chaos zu bringen. Und um dem Mann auf die Schliche zu kommen, der ihn gehörnt hat. Aber auch die anderen Bewohner der Stadt müssen an diesem Wochenende Farbe bekennen und von ihren gewohnten Mustern abweichen …

(Dumont-Verlag)

Russo beschreibt detailliert das Leben kauziger Menschen in todlangweiligen Städten im Osten der USA. Im Grunde genommen portraitiert er wohl den typischen weissen heterosexuellen Trump-Wähler: kleine Leute, die den amerikanischen Traum nicht verwirklichen konnten, gescheiterte Existenzen. Und wieder gibt es absurde Erlebnisse und sehr komische Handlungsstränge und Russo lässt einen am Leben dieser Menschen – detailreich und stellenweise urkomisch beschrieben – teilhaben. Für mich war in den letzten Jahren Richard Russo eine wirklich grosse Entdeckung. Wenn man John Irving liebt, kommt man auch bei Russo auf seine Kosten und ich hoffe sehr, dass der DuMont-Verlag weitere – auch ältere – Romane von ihm veröffentlicht…

Next auf meiner Russo-Leseliste: „Diese alte Sehnsucht“.

Im Original heisst der Roman „Everybody’s Fool“ und der Titel bringt es eigentlich besser auf den Punkt, als die etwas irritierende deutsche Übersetzung „Ein Mann der Tat“.

„Ein Mann der Tat“ – Richard Russo, DuMont-Verlag, 2017.

Follow my blog with Bloglovin

 

 

 

Diesen Beitrag von arcimboldis_world kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s