Semyon Bychkov – Tonhalle MAAG Zürich 26.01.2018

Auf den Plakaten gross als Debüt von Semyon Bychkov mit dem Tonhalle Orchester angekündigt, scheint dieses Konzert bei Zürcher Konzertgängern auf kein grosses Interesse gestossen zu sein. Lag es am Programm? An Herrn Bychkov? Oder lag der Konzertfokus in dieser Woche ganz einfach auf Teodor Currentzis im Opernhaus? Strauss und Tschaikowsky ziehen doch sonst immer jedwedes Publikum an. An einem Freitagabend ein Konzert in der halbleeren Tonhalle MAAG – das sieht schon etwas traurig aus…Anyway, für mich hat sich der Besuch auf alle Fälle gelohnt, gab es – nach einem sehr voluminösen und etwas dick aufgetragenen „Don Juan“ zu Beginn des Abends –  die Burleske d-Moll für Klavier und Orchester von Richard Strauss für mich als Novum. Ich kannte das Stück nicht und somit war es für mich bei diesem Konzert eine tolle Neuentdeckung. Ein interessantes Frühwerk des 21jährigen Strauss, das auf Wunsch des Komponisten vom Dirigenten und Pianisten Hans von Bülow uraufgeführt werden sollte, der dies damals aber mit der Erklärung „Jeden Takt eine andere Handstellung – glauben Sie, ich setze mich vier Wochen hin, um so ein widerhaariges Stück zu studieren?“ absagte. Nun, Bertrand Chamayou hat dies an diesem Abend meisterlich und bravourös gespielt…

Richard Strauss (1864-1949) – „Don Juan“ op. 20 / Burleske d-Moll für Klavier und Orchester

Pjotr I. Tschaikowsky (1840-1893) – Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36

Nach der Pause dann die 4. Sinfonie von Tschaikowsky, irgendwie sehr schwülstig und mit überstarkem Pathos von Semyon Bychkov dirigiert und dem Tonhalle Orchester musiziert.  Zur Entstehungszeit dieser Sinfonie steckte Tschaikowsky (1877/78) in einer tiefen Krise – schwul und in eine Ehe geflüchtet. Diese Zerrissenheit spürt man sehr, vor allem im ersten Satz. Etwas mehr tänzerische Leichtigkeit hätte dem Stück gut getan, dies findet sich nur leichtfüssig daherkommend im Pizzicato des 3. Satzes, eine kurze Verschnaufpause, bevor es im 4. Satz wieder stürmt. Hier hätte man sich etwas mehr ehrliches Gefühl, statt aufgesetztem Kitsch gewünscht.

Was bleibt ist der Eindruck der famos gespielten Burleske und das Gefühl, dass dies ein ganz netter, aber auch irgendwie belangloser Abend war. Semyon Bychkov war nun also auch mal hier am Pult in der Tonhalle MAAG. Kommt bestimmt auch einmal wieder. Mehr nicht. Unbefriedigend.

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