Arcimboldis Column #7: Weihnachtsmarkt-Inflation

Wie gestaltete man eigentlich früher die Vorweihnachtszeit in der Prä-Weihnachtsmarkt-Epoche? Also ich meine die Zeit, wo noch nicht jedes (noch so kleine) Kaff einen eigenen Weihnachtsmarkt hatte – selbst wenn es nur drei lächerliche Glühweinbuden sind. Da waren die klassischen und historisch gewachsenen Weihnachtsmärkte wie Dresden oder der „Christkindlmarkt Nürnberg“ noch etwas Besonderes, ein Highlight, einen Ausflug wert oder wenn man in einer dieser Städte wohnte, war man sehr stolz darauf und ging jedes Jahr zu Eröffnung. Und jetzt? In einer Stadt wie Zürich gibt es gleich 2 grosse Weihnachtsmärkte, das „Wienachtsdorf“ auf dem Sechseläutenplatz vor dem kitschig rot angestrahlten Opernhaus und den Christkindlimarkt im Zürcher Hauptbahnhof mit dem grossen Swarovski-Hauptsponsor-Weihnachtsbaum in der Mitte. Zusätzlich hat es noch diverse Buden im Niederdorf oder sonstwo in der Stadt für die Apero-Glühwein-Community und das (wirklich schöne) Illuminarium im Hof des Landesmuseums. Ältere Damen (aber auch mittlerweile Girly-Groups) fahren übers Wochenende mit einem der vielen Bus- und Bahnangebote zu einem der anderen hundertfach kopierten Weihnachtsmärkte in Deutschland, der Schweiz, Österreich oder in grenznahe Gebiete, wie zum Beispiel Tschechien. Der Weihnachtsmarkt-Tourismus blüht, wächst und gedeiht. Neu entdeckt im internationalen Weihnachtsmarkt-Tourismus-Angebot habe ich dieses Jahr den weltweit einzigen unterirdischen Weihnachtsmarkt in Traben-Trarbach (irgendwo am Ende der Welt bzw. an der Mittelmosel im Landkreis Bernkastel-Wittlich) – sie verwenden dort den sehr kreativen Namen „Mosel-Wein-Nachts-Markt“ (muahahaha…..), da dieser in „wohltemperierten und romantisch ausgeleuchteten Weinkellern der Stadt“ (Zitat HP des Veranstalters) stattfindet. Eine Preziose im Weihnachtsmarktbusiness!!! Und nun hat man endlich auch die Kinderansprüche mit dem „Elfendörfli“ als Appendix zum Zürcher „Wienachtsdorf“ befriedigt. Im Elfendörfli können Kinder in grossen und kleinen Hütten die Vorweihnachtszeit zelebrieren und werden schon mal angefixt für zukünftige Weihnachtsmarkt-Ausflüge, wenn sie dann endlich erwachsen sind und richtigen Glühwein (aus dem Plastikcontainer) trinken dürfen. Da ist die Weihnachtswelt doch noch in Ordnung. Merry Christmas everybody. Und frohen Weihnachtsmarkt-Besuch.

 

 

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