Semele – Oper Zürich 08.01.2019

Zu ihrem 30. Bühnenjubiläum feiert sie sich selbst und lässt sich feiern – mit einer eigens für sie angesetzten Vorstellungsserie von Händels „Semele“: die römische Koloratur-Mezzosopranistin CECILIA BARTOLI, die seit vielen Jahren auch privat ihre Wurzeln in Zürich geschlagen hat…

ROBERT CARSENs erfolgreiche Inszenierung, die bereits 1996 in Aix-en-Provence ihre Premiere hatte und seitdem an vielen internationalen Häusern gezeigt wurde, feierte nun also erneut in Zürich seine Wiederaufnahme an Silvester und dient dazu das Bühnenjubiläum der Bartoli zu zelebrieren. Mit dem ausgewiesenen Barockspezialist WILLIAM CHRISTIE, der in Zürich häufig am Pult steht, und einem hervorragenden Ensemble ist dies zumindest musikalisch ein wirklich grossartiger Abend. Auf der Bühne selbst besticht die einfache und reduzierte Ästhetik der Ausstattung (Bühne und wunderschöne Kostüme) von PATRICK KINMONTH, die Personenführung und das Gesamtkonzept ist eher langweilig und wirkt künstlich arrangiert. Vor allem der Chor mit seinen lieblosen Auftritten und Abgängen ist ein grosser Störfaktor, wenngleich er musikalisch hervorragend in der Vielzahl seiner grossen Nummern brilliert (Choreinstudierung: ERNST RAFFELSBERGER). Eigentlich von Händel als Oratorium angedacht, funktioniert dieses doch recht populäre Werk dramaturgisch als szenische Realisation, hat sowohl grossen Pathos und Drama, als auch witzig-komödiantische Momente.  Köstlich die fast schon slapstickhafte Nummer der eifersüchtigen Juno (KATHARINA BRADIĆ) und Iris, der Götterbotin (REBECA OLVERA). Teilweise gibt es berückend schöne Bilder, das macht den chorischen Hyperaktionismus wieder wett. Aus dem Graben tönt herrlichster Händel und so kann man sich auch einfach mal in Ruhe zurücklehnen, die Augen schliessen und die Musik geniessen.

Die Darstellung der Semele von Cecilia Bartoli ist einfach umwerfend in ihrer Bühnenpräsenz und Musikalität. Glaubhaft Semeles Wunsch nach Unsterblichkeit, glaubhaft ihr Scheitern und Tod. Ein wirklich grossartiger Bartoli-Abend – vor allem ihre Arie im 3. Akt „No, no, I’ll take no less“ lässt die Spannung im Saal ins Unermessliche steigen, man kann sich dem nicht entziehen, wie gefesselt lauscht man diesen energischen Klängen einer Frau, die dem Gott entgegen schmettert, dass sie ganz unbescheiden eben ALLES haben will, selbst das gottgleiche ewige Leben. Der frenetische Schlussapplaus ist dann wie erlösend, natürlich viele Bartoli-Fans im Saal, aber auch zu Recht Standing Ovations, nicht nur für „La Bartoli“, sondern für das ganze weitere Sänger*Innen-Ensemble (FRÉDÉRIC ANTOUN als Jupiter/Apollo, DENIZ UZUN als Ins, NAHUEL DI PIERRO als Cadmus/Somnus und als Athamas CHRISTOPHE DUMAUX) und der Barock-Orchester-Formation „La Scintilla“.

Cecilia Bartoli war für mich nie eine marketinggesteuerte Sängerin vom Format einer Netrebko, sie hatte für mich auch nie eine wirklich „grosse“ Stimme, aber schon immer eine immense Bühnenpräsenz und ihre herrlich perlenden Koloraturen sind immer noch und immer wieder ein tolles Erlebnis. Seit ich sie 1994 an der Bayrischen Staatsoper München unter Adam Fischer in der Titelrolle von Rossinis „La Cenerentola“ (Regie: Jean-Pierre Ponnelle) zum ersten mal erleben durfte, habe ich ihren Weg mehr oder weniger verfolgt. Viele ihrer Partien konnte ich nicht nachvollziehen und haben mich auch gar nicht interessiert (z.B. Norma oder Maria/West Side Story in Salzburg), aber ebenso oft hat mich diese herzlich ehrlich-sympathische Primadonna überzeugt und erfreut, u.a. mit einigen sehr interessanten Einspielungen (wo es immer wieder Neues zu entdecken gibt) oder zuletzt am Opernhaus Zürich in der köstlichen Produktion von „Le Comte Ory“ – und das, wo ich überhaupt kein Rossini-Fan bin!.

 

 

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