Paris Merveille – Lido de Paris 16.11.2018

Die Zeit der grossen Cabarets und Revuen in Paris ist längst vorbei, dennoch gibt es immer noch unzählige Liebhaber und Nostalgiker, die geradezu ins Schwärmen geraten, wenn man vom „Moulin Rouge“, dem „Crazy Horse“ oder dem „Lido“ spricht. Seit April 2015 läuft im „Lido de Paris“ die neue Show „Paris Merveille“…

Mit dem Regisseur Franco Dragone holte man sich einen Regisseur, von dem man sich erhoffte, dass er das „Lido“ modernisiert und in ein neues Zeitalter überführt, immerhin feierte Dragone weltweit mit seiner Arbeit für den „Cirque du soleil“ (u.a. „Saltimbanco“, „Algeria“) grosse Erfolge, schuf in Las Vegas die spektakuläre Wasser-Show „Le rêve“ (im Wynn Las Vegas) oder „A new Day…“ für Céline Dion im Caesars Palace.

Dragone verzichtet in „Paris Merveille“ fast komplett auf ein opulentes Bühnensetting  mit grossen Showtreppen und Kostüm-Ausstattungsorgien und setzt stattdessen auf grossflächige Projektionen und Videowalls. Das ist ein grosser Fehler, denn geht man ins „Lido“, will man Glamour und Glanz und einen Hauch vergangener Zeiten erleben (also ICH will das jedenfalls…!!!), man erwartet permanente Kostümwechsel und grosse glänzende Kostüme mit funkelndem Strass und facettenreiche Feder-Orgien in allen Farben. Einzig beim grossen Opening und nochmals bei einer ganz in blau gehaltenen Nummer lässt sich erahnen, welche Opulenz frühere Shows zeigten. Dies wird auch im personell ausgedünnten Ensemble schmerzlich deutlich, teilweise werden Spielflächen ignoriert und mangels Castgrösse nicht einmal mehr bespielt. Die von uns besuchte 2. Revue um 23.00 Uhr an einem Freitagabend war auch ziemlich leer und vermittelte einen eher traurigen Eindruck.

lido

Natürlich ist es – nach wie vor – spektakulär, wenn sich zu Beginn das Parkett um 80 cm absenkt und das grosse Defilee der Bluebell Girls zum Opening startet, die Girls samt Wasserfontänen oder im grossen Kristall-Lüster aus dem Bühnenboden fahren oder die Gastkünstler ihre Kreise auf der Eisbahn ziehen (S. Bachelet und M. Combès). Sehr schön und in einer mittlerweile selten zu sehenden Disziplin: Der Schwertschlucker Johny Boy, der bereits mit 23 Jahren als Tänzer bei der Lido-Revue „Bonheur“ zu sehen war. Dragone hat ganz nach Cirque-Manier versucht, dem Abend einen dramaturgischen Bogen zu geben und erzählt die Geschichte einer „verklemmten“ bebrillten Sekretärin im dunkelgrauen Kostüm, die zum Revuegirl-Nude avanciert und bedient sich dabei ganz grässlichen Klischees, als zweiten losen Erzählstrang gibt es den (etwas faden) pantomimisch angehauchten Hip-Hop Tänzer Mansour im Clownskostüm, der den Anfang und Schlusspunkt der Revue bildet und versucht das Thema Poesie zu integrieren. Schade auch, dass es für die Sängerin Manon (2014 im Halbfinale der französischen Casting-Show „The Voice“) offensichtlich kein Kostümbudget gab, sie musste fast durchgängig im selben glanzlosen Outfit den kompletten Abend absolvieren.

Und dennoch: Auch wenn die neue Show „Paris Merveille“ nicht mehr viel vom  „Glanz“ alter Zeiten hat, der Besuch einer Revue-Show gehört zu Paris wie der Eiffelturm oder Notre Dame. Im „Lido de Paris“ standen sie alle auf der Bühne: seien es im „alten“ Lido die legendären Gastauftritte von Edith Piaf, Marlene Dietrich, Josephine Baker, Maurice Chevalier, Marlène Charell (fest im Ensemble 1968-1970), Siegfried und Roy (festes Engagement 1967-1969), die Kessler-Zwillinge (1955-1960 fest im Programm) oder später nach dem Umzug auf die Champs-Élysées: Shirley MacLane, Tom Jones, Elton John, Charles Aznavour, Ingrid Caven oder Ute Lemper. In Ansätzen ist dieser Geist noch zu spüren – ein Kulturgut, eine eigene Kunstgattung, die unbedingt erhalten werden muss.

Auch wenn der Cancan historisch eher zum Moulin gehört und dort auch eine der Hauptattraktionen ist, verwendet ihn Dragone zum Finale hin – begeisterten Ovationen aus dem Publikum kann man sich dann natürlich sicher sein….

LIDO DE PARIS, 116 bis Avenue des Champs-Élysées 75008 Paris

Copyright der Fotos: Mairet/Labarrère

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