Michel Houellebecq – Unterwerfung.

Irgendwie bin ich immer noch ganz beunruhigt von dem nachhaltigen Eindruck, den dieser Roman von Michel Houellebecq bei mir hinterlassen hat. Dabei wollte ich ihn eigentlich gar nicht lesen. Ich war bis anhin kein grosser Fan von Michel Houellebecq, die Versuche seine Romane „Plattform“ und „Ausweitung der Kampfzone“ zu lesen sind kläglich gescheitert, sein Stil hat mich bislang nicht wirklich interessiert, seine Themen eigentlich auch nicht. Gelangweilt habe ich bisher seine begonnenen Romane beiseite gelegt. Nicht so „Unterwerfung“ – dieses Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht losgelassen…

Woran liegt das? Das Buch hat natürlich bereits bei seinem Erscheinen für Furore gesorgt: am Erscheinungstermin 7. Januar 2015 von „Soumission“ gab Houllebeqc morgens noch Interviews, am Nachmittag fand der Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris statt. Das hat die Brisanz dieses Romans natürlich verstärkt. Trotz der Absage vorerst aller Lesetermine startete die Neuerscheinung jedoch äusserst erfolgreich. Im Grunde ist dieser Roman eine Bankrotterklärung an unsere liberale westliche Gesellschaft – das will man ja nicht so gerne wahrhaben. Der Protagonist des Romans lebt ein relativ oberflächliches akademisches Leben mit lustlosen Affären und findet keinen Ausweg aus dem flachen Konsum, dem Kapitalismus, er vegetiert dahin und sieht nicht wirklich Sinn in seinem Leben. All dies ändert sich jedoch bei der allmählichen Unterwanderung des intellektuellen Lebens in Frankreich durch den Islam. Eine spannende Geschichte mit viel Ironie und lebensnahen Betrachtungen. Parallel dazu die Bezugnahme auf Joris-Karl Huysmans (1848-1907), einem französischen Schriftsteller, auf dessen Werk sich der Protagonist des Romans spezialisiert hat, auch er hat sich in der Mitte seines Lebens der Religion (allerdings dem Katholizismus)  zugewandt und lebte mehrere Jahre in einem Kloster. Für die Hauptfigur Francois ist es teilweise aber viel trivialer – unter dem Islam wird voraussichtlich erneut die Polygamie in Frankreich eingeführt, das käme ihm und seinem doch sehr ausgeprägten Sexualtrieb sehr entgegen. Viele ausgeführte Punkte dieses Romans regen zum Nachdenken über uns und unsere – teilweise sehr eingeschränkte – westliche Sichtweise auf viele grundsätzliche Dinge an. Es gibt eben nicht immer nur schwarz und weiss…

Es ist vielleicht der umstrittenste Roman der letzten Jahre: ›Unterwerfung‹ handelt vom Zusammenprall der Kulturen und stellt Fragen zum Verhältnis von Orient und Okzident, von Judentum, Islam und Christentum – Fragen, die heute so relevant sind wie nie. Goncourt-Preisträger Michel Houellebecq präsentiert sich als furchtloser Gesellschaftsdenker, der die bestimmenden Spannungsverhältnisse unserer Epoche mit großer Ernsthaftigkeit – und zugleich mit virtuoser Ironie – ausdeutet.
Er erzählt in ›Unterwerfung‹ die Geschichte des Literaturwissenschaftlers François. Der Akademiker forscht im Frankreich einer sehr nahen Zukunft zu dem dekadenten Schriftsteller Huysmans, der ihn sein Leben lang fasziniert. Zugleich verfolgt er die Ereignisse um die anstehende Präsidentschaftswahl: Während es dem charismatischen Kandidaten der Bruderschaft der Muslime gelingt, immer mehr Stimmen auf sich zu vereinigen, kommt es in der Hauptstadt zu tumultartigen Ausschreitungen. Als schließlich ein Bürgerkrieg unabwendbar scheint, verlässt François Paris ohne ein bestimmtes Ziel. Es ist der Beginn einer Reise in sein Inneres.

(DuMont Verlag)

Es ist das Unterschwellige, das Subtile, was mir bei diesem Roman, bei dieser Geschichte, gefallen hat und letztendlich die Tatsache, dass es sich eben nicht wie Fiktion liest. Und irgendwie habe ich Zugang zu Houellebeqcs Sprache und seinen Themen gefunden – all die Dinge, die mich bei den anderen Büchern abgeturnt haben, fand ich nun spannend und interessant. Und ich habe für mich festgestellt, dass es an der Zeit ist, sich etwas mehr mit dem Islam zu beschäftigen.

Ein Roman, der bei mir noch lange nachwirken wird. Und vor allem Lust macht, doch noch weitere Bücher von Michel Houellebecq in Angriff zu nehmen. Es gibt bei mir so viele Bücher, die ich kaufe und erst einmal beiseite lege, weil es gerade irgendwie nicht passt. Das merkt man gleich nach den ersten Zeilen – jedes Buch zu seiner Zeit…

„Unterwerfung“ von Michel Houellebecq, DuMont-Verlag, 2015

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