STEPS 2018: Nederlands Dans Theater 2 – 25.04.2018

Im Rahmen von STEPS 2018 zeigte das „Nederlands Dans Theater 2“ vier ausgewählte Choreographien und präsentierte damit die grosse Bandbreite dieser jungen, talentierten und äussersten vielversprechenden Tänzer_Innen der Nachwuchskompanie des NDT…

„I NEW THEN“ ist eine Choreografie von Johan Inger, die ihre Uraufführung 2012 hatte, sie war der Opener dieser Abends und rückblickend mein Favorit. Johan Inger, der bis 2002 selbst am NDT als Tänzer tätig war, ist mittlerweile ein international gefragter Choreograph. In dieser Choreographie geht es um den Ausbruch und das Auflehnen gegen Konformität, die Umsetzung von verschiedenen menschlichen Konstellationen mittels Tanz zur Musik von Van Morrison. Zu sehen sind eindrückliche Bilder zum Thema Liebe, etwa, wenn ein Tänzer lange um sein weibliches Pendant wirbt, diese dann aber mit jemand anderem weggeht. Das Stück hatte Mitte April 2018 seine Schweizer Erstaufführung am Luzerner Theater.

Hans van Manens Choreographie „SHORT CUT“ wirkt da im Anschluss etwas altbacken und bodenständig, stammt von 1999 und zeigt typische van Manen Stilistik als Schweizer Erstaufführung zur grossartigen Musik von Jacob ter Veldhuis (Streichquartette Nr. 3/Nr. 1). Drei Tänzerinnen (Fay van Baar/Tess Voelker/Amanda Mortimore) sind mit einem Tänzer (Donnie Dusan Jr.) auf unterschiedliche Weise verbunden und zeigen ausserordentlich biegsam und elastisch jeweils eigene und voneinander abgegrenzte Pas de deuxs. Jede Tänzerin wartet, bis sie an der Reihe ist und vom Tänzer bedient wird.  Sehr bodenlastig und geerdet, wenig Hebungen. Irgendwie eigenwillig. Aber schön.

„MUTUAL COMFORT“ von Edward Clug hat eine ganz eigene Bewegungssprache und vermittelt – unterstützt durch die Musik – ein eher unruhiges Gefühl. Die ruckartigen, teilweise wellenartigen Bewegungen im gleichförmigen Takt machen mich als Zuschauer irgendwie nervös und man wartet auf eine Ruhephase. Edward Clug ist bei seiner Arbeit, gemäss Programmblatt, daran interessiert, von individuellen Erfahrungen der Tänzerinnen und Tänzer auszugehen. Ein eigenwilliges Stück, toll getanzt von Fay van Baar, Aya Misaki, Surimu Fukushi und Miguel Duarte.

sol

Das letzte Stück dieses Abends dann – ebenfalls als Schweizer Erstaufführung – das herrlich ironische Stück „SH-BOOM“ von Sol León & Paul Lightfoot – deren erste gemeinsame Arbeit von 2000 für das NDT 1. Die beiden zeigen in dieser humorvollen Choreographie, wie Menschen von unterschiedlicher Herkunft sich verhalten, wenn sie in Beziehung zu einander treten, inspiriert von den satirischen schwarzweissen Zeichnungen von Francisco de Goya. Ein entblösstes Finale mit dem Ensemble in weisser Unterwäsche vor schwarzem Backdrop und nackt-verhülltem männlichen Solisten, dazu beim ganzen Stück herrlich knisternde Schellack/Schallplatten-Musik von den 30er bis in die 50e Jahre und kurz vor dem finalen Vorhang noch Konfetti-Regen ins Publikum – so nostalgisch und doch modern. Wunderbar. Ein toller Abschluss dieses vielseitigen Abends. Paul Lightfoot ist seit 2011 künstlerischer Leiter des NDT.

Die Company kann an diesem Abend sämtliche Register ziehen und in unterschiedlichen Stilistiken ihr tänzerisches Können zeigen. Mein Favorit war eindeutig das erste Stück von Johan Inger.

Weitere von mir besuchte Produktionen im Rahmen von STEPS 2018:

29.04.2018: Compagnie Wang Ramirez: „Everyness“ (Honji Wang/Sébastien Ramirez)

02.05.2018: Stopgap Dance Company: „The enormous room“ (Lucy Bennett)

 

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Diesen Beitrag von arcimboldis_world kommentieren

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