Thriller #1 – „Eileen“ von Ottessa Moshfegh.

Ist dies ein Krimi? Ist dies ein Thriller? Oder ist es einfach das Psychogramm einer Person namens Eileen? So einfach lässt sich das nicht benennen, für mich ist es auf jeden Fall spannend gewesen bis zum Schluss…

Die Hauptfigur Eileen ist alles andere als eine Sympathieträgerin und doch kann man sich ihrer Faszination nicht entziehen. Sie ist nicht hübsch, sie ist abgemagert, ausgezehrt, berichtet ausführlich von ihren Verdauungsproblemen und der entsprechenden Anwendung von Abführmitteln. Sie ernährt sich von Erdnüssen, Alkohol und trägt überwiegend die Klamotten ihrer toten Mutter. Sie lebt mit ihrem schwer alkoholkranken, paranoiden Vater, einem ehemaligen Polizisten, in einem heruntergekommenen Haus, hat keine Freunde und arbeitet im Büro eines Gefängnisses für jugendliche Straftäter. Und man wird den Verdacht nicht los, dass Eileen auch böse ist, dies kommt aber nur unterschwellig zum Vorschein. Es bleibt vage. Dies alles in der Prüderie der 60er Jahre in einer Kleinstadt in Neuengland. Erzählt wird die Geschichte rückblickend von ihr selbst aus heutiger Sicht. Man wartet Kapitel für Kapitel auf den grossen Knall, auf einen Einschnitt, der diese Tristesse herumreisst und der Geschichte etwas mehr Drive in ein besseres Leben gibt. Aber das passiert nicht und man ist dennoch fasziniert von dieser Eileen, ihren Ängsten, Sorgen, Traumata. Und dann kommt Rebecca Saint John als neue Arbeitskollegin und Eileen beginnt zu Leben und zu Leuchten. Eine etwas irritierende und verstörende Geschichte, es plätschert streckenweise dahin und trotzdem kann man nicht davon lassen und wünscht sich dem Ende der Geschichte entgegen. Man möchte wissen, was passiert – man möchte hoffen, dass alles irgendwie gut kommt. Und man möchte auch diesen Schmutz, diesen nicht endenden Albtraum beenden.

»Eine erwachsene Frau ist wie ein Kojote – sie braucht nicht viel zum Leben.« Ottessa Moshfegh hat einen fesselnden, atmosphärisch dichten und virtuos komponierten Roman geschrieben, dessen Heldin einem noch lange nachgeht. Ein Buch wie eine Sprengladung. (Verlag: Liebeskind)

Ein düsterer und – wie ich finde – sprachlich interessanter Roman. Ein dunkler Thriller. Ein bewegendes Psychogramm einer gestörten jungen Frau. Abschreckend und (leider) sehr realistisch. Man darf wohl gespannt sein, was als nächstes von dieser Autorin erscheinen wird. „Eileen“ ist – nach „McGlue“ ihr zweiter Roman und lässt auf interessantes Folgematerial hoffen…..

„Eileen“ von Ottessa Moshfegh, Verlag: Liebeskind.

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