Lo Speziale – Tonhalle Zürich 10.01.2018

Zum 150jährigen Bestehen der Tonhalle Gesellschaft Zürich gönnt man sich und seinen Besuchern diverse Jubiläumsprojekte – beginnend zum neuen Jahr 2018. Eine schöne Sache! Auftakt dieser Reihe bildet „Lo Speziale“ („Der Apotheker“), eine dreiaktige Opera buffa von Joseph Haydn, szenisch für das Orchesterpodium der Tonhalle MAAG eingerichtet von der Schweizer Opernregisseurin Eva Buchmann. Gemäss der Bildunterschrift im  Programmheft ist dies eine „moderne Inszenierung“ – für das (durchschnittlich eher alte) Tonhalle-Publikum mag das ja auch durchaus modern erscheinen was auf der Bühne  zu sehen ist – ich fand es ziemlich beliebig und hausbacken… Dieses TOZ-Jubiläum wäre doch nun wirklich ein toller Anlass, um neue und spannende Projekte anzugehen, neue Musik zu spielen, etwas wirklich NEUES zu wagen – warum man mit dieser ollen Kamelle beginnt, bleibt mir ein grosses Rätsel (oder vielleicht war das einfach ein Herzenswunsch von Martin Vollenwyder, den er sich nun erfüllt hat…).

Das Orchester ist auf der rechten Seite des Podestes platziert, die linke Hälfte nimmt die Spielfläche ein. Bereits nach den ersten Takten öffnet sich die Rückwand und ein Fiat Cinquecento fährt auf die Bühne, die (belanglose) Handlung beginnt. Der Cinquecento ist umgebaut und bietet allerlei Möglichkeiten für heitere Momente: auf dem Dach entfaltet sich die Apotheke samt Regalen und Verkaufstresen, im Heck wird Wäsche gewaschen und Sempronio (im sittsam gestreiften Herren-Badeanzug aus anderen Zeiten) nimmt eine Dusche unter echtem Wasserstrahl und seift sich ein, bevor er in seine Adiletten schlüpft und sich davon macht  – das Publikum ist begeistert. Das ist also das im Programmheft angekündigte moderne Regietheater und in den Reihen vor und hinter mir wird aufgeregt geflüstert…. – huh!

Jan Willem de Vriend dirigiert. wie er die Bühne betritt – temporeich, flott, spritzig, man horcht auf und bleibt dabei (selbst wenn die Handlung gerade mal wieder in irgendein albernes Geplänkel abgleitet). Die 4 Solisten sind hervorragend besetzt und  (auch dank der hervorragenden Saalakustik) wunderbar textverständlich und zur Sicherheit gibt es für den Zuschauer sogar eine deutschsprachige Übertitelung. Die Stimmen von Piotr Miciński (Sempronio) und Álvaro Zambrano (Mengone) lassen aufhorchen, ausserdem sind beide in bester Spiellaune, Marina Zyatkovas (Grilletta) glockenheller Sopran passt wunderbar dazu und das Quartett wird hervorragend ergänzt durch Virpi Räisänen als Volpino.

Insgesamt ein stimmiger Abend, aber braucht es das in der Tonhalle? Die Tonhalle MAAG im Industriequartier Zürich West/Kreis 5 fordert doch geradezu neue spartenübergreifende Projekte, Installationen, Klangerlebnisse – aber dazu fehlt der Tonhalle Gesellschaft Zürich offenbar der Mut. Die angekündigten weiteren Jubiläumsprojekte sind – gemäss Vorschau – auch eher gefällig und bedienen einen konventionellen Publikumsgeschmack…

„Lo Speziale“ von Joseph Haydn (1732-1809)

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Diesen Beitrag von arcimboldis_world kommentieren

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