Arcimboldis Column #5: Abu Dhabi versus Winterthur…

Es brennt mir seit Tagen, seit Wochen auf der Seele. Ich muss es loswerden. Immer wieder habe ich diesen Post verschoben. Jetzt aber. Es ist mir so ein grosses Bedürfnis. Ich werde es nun los: Ich finde den Louvre Abu Dhabi (ungesehen) zum Kotzen. So, jetzt ist es raus…

Hier die Fakten zum Louvre Abu Dhabi: nach 10 Jahren Planungs- und Bauzeit und 1.5 Milliarden Euro eröffnet. Alleine 1 Milliarde zahlt Abu Dhabi nur für den Namen „Louvre“ und die Leihgaben. Nur die Kuppel wiegt 7500 Tonnen, die gesamte Ausstellungsfläche beträgt 8600 Quadratmeter, 55 Einzelgebäude, etc. etc. etc. – und wozu das alles? Ein glattpoliertes hochglänzendes Design-Museum in den Emiraten. WAS SOLL DAS? Ich kann die VAE verstehen, sie sind verzweifelt auf der Suche nach Einnahmequellen für die Post-Öl-Zeiten – aber ich kann nicht verstehen, wie man nur deswegen dahin reisen kann. Und das hat nichts mit Jean Nouvel – dessen Arbeiten ich ganz toll finde – zu tun…

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Und dann hat es in Winterthur ein herrliches Kunstmuseum, in dem die Zeit still zu stehen scheint. Aus Anlass der wunderschönen Fautrier-Ausstellung habe ich (mit viel zu wenig Zeit) dieses tolle Museum und auch seine Sammlung besucht. Wundervoll! Fast alleine durch die Säle spazieren, die Ruhe und Stille und natürlich die Kunst geniessen. Eher unprätentiös, aber eben auf das Wesentliche reduziert. Keine glatt polierten Marmorböden, kein gelacktes Design – dafür schalldämpfenden Teppich, Ruhe und Muse.  Und eine grossartige Sammlung von Weltrang. Es ist lange her, dass ich so einen entspannten und kultivierten Museumsbesuch hatte. Alles etwas verlangsamt, entschleunigt und reduziert. Genussvoll präsentiert und mit Liebe gepflegt. Ich kann mir vorstellen, dass genau dieses Museum um jeden Rappen kämpft, während in Abu Dhabi Milliarden verschleudert werden. Die Sammlung in Winterthur muss sich vor dem Scheich-Louvre keineswegs verstecken, Künstler von Weltrang sind zu sehen. Und das alles in Ruhe und Stille und herrlich verstaubter und stehengebliebener Zeit. Und obendrein noch mit einem Museumscafé mit tollem Kuchen und äusserst freundlichem Service. Möge das doch so bleiben! Bitte!

Kunstmuseum Winterthur

 

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