Junichiro Tanizaki.

Dank der Vergabe des Nobelpreises für Literatur 2017 an den in Japan geborenen Briten Kazuo Ishiguro, wird endlich der Literatur aus Japan (wieder) etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Schmökert man dann etwas, so stellt man fest, dass man ausser den „üblichen Verdächtigen“ Kenzaburo Ôe (Nobelpreis 1994) und Haruki Murakami nicht sehr viele Autoren aus Japan kennt. Das wird sich aber nun hoffentlich ändern. Natürlich habe ich immer Murakami gelesen, aber das erste Buch eines japanischen Autors, das mich wirklich begeistert (und auch etwas verstört) hat, war „Die Frau in den Dünen“ von Kobo Abe. Derzeit bin ich fasziniert von Junichiro Tanizakis Skandalroman aus den Fünfzigern „Der Schlüssel“ und man kann sich sehr gut vorstellen, dass zum Zeitpunkt seines Erscheinens dieser Roman für Furore gesorgt hat. 

Lesen hat natürlich auch immer mit Voyeurismus zu tun. Hier ist es Konzept. Bei diesem Roman liest man wechselweise die Tagebuchaufzeichnungen eines Ehepaares und nimmt an deren geheimen Sehnsüchten, Abneigungen und Obsessionen teil. Das irritiert und fasziniert zugleich. Dieser Sogwirkung kann man sich nicht entziehen und man ist erstaunt, wie schnell man sich als Teil dieser Familie und „mittendrin“ fühlt. Ich bin immer etwas hin- und hergerissen zwischen den beiden Ehepartnern samt ihrem innersten Seelenleben und sehr gespannt, wohin das führen wird… – eine hochinteressante Konstruktion.

Ich kann aber jetzt schon sagen, dass „Der Schlüssel“ für mich eine der spannendsten Neuentdeckungen in letzter Zeit ist und dieser Roman macht grosse Lust, mehr von diesem Autor zu lesen.

Ich schreibe dies nieder, weil ich es nicht mehr ertrage, nicht direkt mit ihr über die Intimitäten unseres Schlafzimmers sprechen zu können. Von nun an werde ich ohne Rücksicht darauf, ob sie es heimlich lesen wird, so schreiben, als spräche ich zu ihr.

(„Der Schlüssel“, Junichiro Tanizaki)

Junichiro Tanizaki wurde 1886 in Tokio geboren. Er war Autor zahlreicher Romane, Dramen und Essays, u. a. von „Lob des Schattens“, „Liebe und Sinnlichkeit“ und „Tagebuch eines alten Narren“. 1964 wurde er als erster Japaner zum Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters ernannt. In den Jahren kurz vor seinem Tod (1965) galt er als Anwärter für den Literaturnobelpreis. (Kein & Aber, Verlag)

 

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