Paul Theroux – Mutterland.

„Mutterland“ – bereits der Titel des neuen Romans von Paul Theroux hat bei mir grosses Interesse geweckt, nach dem Lesen der Inhaltsangabe war dann klar, dass dieser Roman genau nach meinem Geschmack sein wird…

Und ich wurde nicht enttäuscht. Bitterböse erzählt der Autor (dessen kleines Bändchen „Der Fremde im Palazzo d’Oro“ mir bereits ganz wunderbar gefallen hat) die Geschichte eines Autors und sein Verhältnis zu seiner Familie, insbesondere zur Mutter. Dies ist streckenweise äusserst amüsant und jeder Leser wird den ein oder anderen Abschnitt aus persönlichen eigenen Erlebnissen und Begebenheiten in seiner Familie, mit seiner Mutter, schmunzelnd wiedererkennen…

Alle in Cape Cod halten Mutter für eine wunderbare Frau: fleißig, fromm, genügsam. Alle außer ihrem Ehemann und ihre sieben Kinder. Für sie ist sie eine engstirnige und selbstsüchtige Tyrannin. Der Erzähler Jay, Reiseschriftsteller mittleren Alters, ist eines der sieben Kinder. Zusammen mit den Geschwistern findet er sich bei der Mutter ein, als der Vater stirbt – die erstickende Enge dort, im wortwörtlichen Mutterland, evoziert eine Bandbreite an Gefühlen, die dem Leser auf unheimliche Weise genau das präsentieren, was sonst immer nur der Horror der anderen ist. (Verlag Hoffmann & Campe)

Es ist anzunehmen, dass „Mutterland“ viel autobiographisches Material enthält, vermischt mit Fiktion und interessanten Beschreibungen zu Cape Cod – hier merkt man doch sehr den schriftstellerischen Hintergrund von Paul Theroux. Wenngleich viele Dinge etwas repetitiv sind und auch so beschrieben werden, ist dieser Roman äusserst kurzwillig, amüsant und mit viel schwarzem Humor. Köstlich die Beschreibungen der Mutter, die als Despotin ihr ganzes Leben lang über ihre grosse Kinderschar herrscht und diese permanent gegeneinander ausspielt – im Grunde genommen ein lebenslanger Albtraum, an dem man als Leser Teilhabe erhält. Insgesamt gesehen ist der Roman etwas zu lang geraten, weil er im Grunde genommen die Situation einer Familie beschreibt und keinen spannenden Handlungsverlauf erzählt, so dass es streckenweise etwas ermüdend ist, weil sich viele Geschehnisse (wie auch im richtigen Leben)  permanent wiederholen. Dennoch ist dieser doch sehr umfangreiche Roman mit seinen über 650 Seiten sehr unterhaltsam und grosses Lesevergnügen!

„Mutterland“ von Paul Theroux, Verlag Hoffmann & Campe, 2018.

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