Kanae Minato – Geständnisse.

Was bei diesem Roman schockiert, ist nicht die Handlung, sondern die Kaltblütigkeit mit der sämtliche Protagonisten agieren, immer bedacht auf ihren Vorteil, ohne Empathie und Gewissen. Ein faszinierender Plot…

Etwas irritiert ist man schon beim Lesen dieses Romans. Eigentlich ist es ein klassischer Stoff, es geht um Schuld, um Rache, um Sühne und könnte auch einem altgriechischen Epos entstammen. Die eiskalte und berechnende Handlungsweise der einzelnen Personen ist schockierend, irgendwie aber auch menschlich und nachvollziehbar:

Ich verstehe, warum Mord als Verbrechen angesehen wird. Dagegen verstehe ich nicht unbedingt, warum Mord an und für sich schon als böse gilt. Der Mensch ist doch nur eine von unendlich vielen Arten, die auf der Erde existieren. Wenn ein Wesen Nutzen daraus ziehen kann, dass es ein anderes vernichtet, dann war es wohl so vorgesehen.

(Seite 205)

Obwohl die Motive einer alten Geschichte entstammen könnten, ist dieser Roman sehr modern, es geht um Mobbing und Ausgrenzung an der Schule und es geht um Konsum und Labels, es geht ums „dazugehören“ und um gestörte – ja fast schon kranke – Familienkonstellationen.

Die Polizei hält es für einen tragischen Unfall, dass Yuko Moriguchis 4-jährige Tochter im Schulschwimmbecken ertrank. Doch Yuko, Lehrerin an der Schule, weiß, dass zwei ihrer Schüler für Manamis Tod verantwortlich sind, und sie will die Mörder nicht ungeschoren davonkommen lassen. Am Tag vor den Ferien eröffnet sie ihrer Klasse, dass sie ihnen noch eine letzte Lektion erteilen will … Doch der perfide ausgeheckte Racheplan entgleitet ihrer Kontrolle – und sie setzt ein tödliches Drama in Gang, aus dem niemand unbeschadet entkommen wird.

»Minato beschreibt in ›Geständnisse‹ mit entomologischer Präzision den Prozess einer gnadenlosen Rache.«

Süddeutsche Zeitung

Dem Leser erschliesst sich erst nach und nach das volle Ausmass der Geschichte, zunächst einmal beginnt der Roman eher traurig mit dem Tod des Kindes der Lehrerin Yuko Moriguchi. Erst nach und nach erschliessen sich einem die genaueren Umstände und Zusammenhänge, die man erschüttert und fast schon albtraumhaft wahrnimmt und sich gleichzeitig dem auch verschliessen möchte. Stylistisch ist der Roman interessant konstruiert, denn neben der eigentlichen Erzählung der Handlung kommen in eigenen Kapiteln auch die meisten der Beteiligten mit ihrer ganz eigenen Sichtweise zu Wort. Es ist eine Analyse der japanischen Gesellschaft und ein Krimi zugleich.

„Geständnisse“ von Kanae Minato, Bertelsmann, 2017

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