Pärt/Sibelius/Schostakowitsch – Tonhalle MAAG 20.01.2018

Ausverkauftes Konzert. Standing Ovations. Schon lange nicht mehr erlebt. Der komplette Saal der Tonhalle MAAG feiert frenetisch das Konzert von Paavo Järvi, dem designierten Chefdirigenten des Tonhalle Orchesters, der mit dem von ihm 2011 gegründeten ESTONIAN FESTIVAL ORCHESTRA derzeit auf Europa-Tournee ist. Anlass ist der 100. Jahrestag der estländischen Unabhängigkeit, dies erklärt auch die zahlreich anwesenden Honoratioren und den estnischen Kulturminister Indrek Saar, der zusammen mit Intendantin Ilona Schmiel diesen Konzertabend eröffnet….

Was folgt, ist ein fulminantes Konzert mit zwei kurzen Stücken von Arvo Pärt, dem virtuosen Violinkonzert op. 47 von Jean Sibelius und als Abschluss die 6. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch:

Arvo Pärt „Cantus in Memory of Benjamin Britten“

Jean Sibelius „Violinkonzert d-Moll op. 47

Arvo Pärt „Fratres“ für Streichorchester und Schlagzeug

Dmitri Schostakowitsch „Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 54“

Arvo Pärts Stücke mit ihrer einlullenden, fast schon meditativen Struktur, bilden einen ruhigen Gegenpol zum aufwühlenden Violinkonzert und zum temporeichen Finale von Schostakowitschs 6. Sinfonie. Der Abend ist erfüllt von der jederzeit zu spürenden Verbundenheit des Orchesters zu seinem Dirigenten – eine Einheit, die man sieht und hört. Das ist ein Idealzustand und offensichtlich der Wunsch vieler, die sich seit geraumer Zeit das Ende der Vertragszeit (eine Ära ist es ja nun nicht geworden) von Lionel Bringuier herbeiwünschen. Irgendwie bedauerlich, hat man doch vor dem Antritt Bringuiers ähnliches Lob und Vorschusslorbeeren in den Feuilletons lesen können. Nun, wir werden sehen. Paavo Järvi ist ein Dirigent, der auch körperlich mit jeder Faser die Musik des Abends lebt und spürt, das ist unübersehbar. Präzise und fordernd führt er seine Musiker durchs Programm. Und so gerät das Konzert zu einer spannungsgeladenen ersten Runde, nach der man sich auf weitere Abende mit ihm (und dann  dem Tonhalle-Orchester) freut. Solistin beim Violinkonzert war Viktoria Mullova, die leidenschaftlich die schnellen Läufe und Doppelgriffe dieser Partitur meistert und die Aura einer unkonventionellen Wilden hat.

Mein persönliches Highlight des Abends: Endlich eine Frau an der Percussion/am Schlagwerk, die mit der Glocke im wundervollen Stück von Arvo Pärt den Abend quasi eröffnet hat. Und: Ein sehr junges und waches Orchester, dem die Lust zu musizieren förmlich anzusehen ist. Das wünscht man sich öfters in den manchmal verschlafen wirkenden Orchesterkonzerten.

Einmal mehr hat auch die Akustik des Saales der neuen Tonhalle MAAG überzeugt. Bei voll besetztem Saal ist es allerdings mühsam, sich in der Pause und im Anschluss des Konzerts zu den Garderoben und zum Ausgang zu bewegen. Anyway, ein toller Abend und ein Vorgeschmack auf die nächsten Jahre, wenn 2019/2020 Paavo Järvi die Leitung übernimmt. Seine Handschrift wird dann sicherlich auch im Repertoire und in der Spielplangestaltung zu lesen sein, Skandinavien und das Baltikum hat viel spannende Musik zu bieten, die es dann zu entdecken gilt. Also, auf nach vorne…

 

Diesen Beitrag von arcimboldis_world kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s