Was für ein tolles Konzert: Das Debüt einer der gefragtesten Dirigentinnen ihrer Generation in der Tonhalle Zürich – MARIE JACQUOT steht am Pult und zudem herrscht eine immense Erwartungshaltung – AUGUSTIN HADELICH spielt das anspruchsvolle Violinkonzert von Beethoven, dazu gibt es Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ und als Auftakt ein (viel zu kurzes) Werk von Thomas Adès, Inhaber des Creative Chair in dieser Saison. Diesen Abend hätte ich ungern verpasst….
Egal, welches seiner Werke ich höre, die Musik von Thomas Adès gefällt mir immer sehr. Auftakt dieses Konzerts bildete die Ouvertüre seiner Oper „The Tempest“, die 2004 am Royal Opera House in London uraufgeführt wurde und seitdem an vielen Häusern international eine Reprise hatte (leider war bisher an der Oper Zürich keine seiner Opern zu sehen…). Die riesige Besetzung lässt schon erahnen, welch‘ stürmische Wucht uns erwartet. Und kaum lässt man sich in diese monumentale Musik fallen, sind die 3 Minuten auch schon vorbei, der erste (kurze) Podiumsumbau holt uns in die Realität. Dann aber kommt Beethovens Violinkonzert und gebannt und hingerissen lausche ich dem Spiel von Augustin Hadelich, der wohl einer der spannendsten Solisten auf diesem Instrument ist und auch bereits in der Tonhalle Zürich (leider nicht für mich) zu hören war, auch liegt mein letztes Konzert mit diesem Werk schon einige Jahre zurück (2014, mit dem wunderbaren Gidon Kremer und David Zinman am Pult – auch eine grossartige Besetzung…). Wie Hadelich eintaucht in diese Musik, wie er darin aufgeht, sobald er spielt und wie er genau diese Energie und Spannung hält, wenn er kurz auf seinen nächsten Einsatz wartet – so viel Feinfühligkeit, so viel Emotion und Kunstfertigkeit, die man hört und auch sieht – sofern man das Glück von freier Sicht auf ihn hat – und eine wunderbare Zartheit liegt in vielen Momenten seiner Interpretation, vor allem natürlich im zweiten Satz. Gleichzeitig gibt es diese impulsiven Ausbrüche und die Präzision in den Kadenzen, das ist wirklich ganz grosse Klasse und es überrascht nicht, dass es dafür Standing Ovations und viele Bravo-Rufe gibt. Zusammen mit Marie Jacquot, die ihn zusammen mit dem Tonhalle Orchester trägt und – wie ich finde – ganz wunderbare Tempi präsentiert für dieses grossartige Konzert. Ich mag ihre Klarheit, ihre oftmals sehr feinen Differenzierungen. Und ich schaue ihr sehr gerne zu beim Dirigat, sie hat einen ähnlichen Impact, eine ähnliche Kraft wie Joana Mallwitz, die ich auch extrem klar und reduziert empfinde am Pult. Und gleichzeitig ist der Kontakt zum Orchester spürbar. Frauen an die Pulte!!!


Die wunderbare Zugabe nach diesem überwältigenden Violinkonzert ist dann noch das Sahnehäubchen der ersten Konzerthälfte – Hadelich spielt eine seiner beliebten Encores, den „Louisiana Blues Strut“ von Coleridge-Taylor Perkinson und entlässt mich sehr beglückt in die Pause.
Thomas Adès: Ouvertüre zur Oper „The Tempest“ – Ludwig van Beethoven: Violinkonzert D-Dur op. 61 – Encore Augustin Hadelich: „Louisiana Blues Strut“ von Coleridge-Taylor Perkinson – Modest Mussorgsky: „Bilder einer Ausstellung“ (Orchesterfassung Maurice Ravel)
Nach einem derartig fulminanten ersten Teil, stellt man sich die Frage, wie das noch zu toppen sein soll, man ist noch geflasht von der Virtuosität Hadelichs und so fährt man am etwas runter, freut sich über das was kommt, nimmt es an, wie es ist. Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ machen immer Freude, vor allem, mit einem Orchester von der Klasse des TONHALLE-ORCHESTER ZÜRCH, gerade bei diesem Werk mit seinen vielen Solo-Sequenzen sind einige hervorragende Musiker zu hören. Ebenso wunderbar das gross aufgestellte Schlagwerk und zum Schluss noch der massige Klang der grossen (Kirchen-)Glocke, die an das „Grosse Tor von Kiew“ erinnert, aber immer auch an Mussorgskys Oper „Boris Godunow“. Ich mag diese analytische Herangehensweise Jacquots auch hier, mit fein ausgeloteter Dynamik (im Gegensatz zu Messiaens „Turangalîla“-Sinfonie unter Kent Nagano von letzter Woche. Wunderbares Programm! Toller Einstand für diese Dirigentin und Bravo für den unglaublichen Augustin Hadelich!
Whats next auf meiner Konzert-Agenda? Pulse 2026 – Lucerne Festival: Mahler Chamber Orchestra, am Pult Thomas Adès mit Víkingur Ólafsson und Anna Dennis – Werke von Ligeti | Ravel | Kurtág | Pärt | Adès
Zuletzt besuchte Konzerte:
Nagano/Favorin/Forget: Messiaens „Turangalîla“-Sinfonie – Tonhalle Zürich 17.4.2026
Järvi/Janssen: Adès/Brahms/Mendelssohn-Bartholdy – Tonhalle Zürich 11.3.2026
Sonic Matter Festival: Valade / Josefowicz: Kendall / Adès / Chin – Tonhalle Zürich 20.2.2026
Guggeis/Trpčeski: Ravel/Liszt – Tonhalle Zürich 11.12.2025
Rezital Víkingur Ólafsson: Bach/Beethoven/Schubert – Tonhalle Zürich 05.12.2025
Järvi: Mahler 2 – Tonhalle Zürich 12.11.2025
Mācelaru/Fröst: Clyne/Prokofiew – Tonhalle Zürich 24.10.2025
Estonian Festival Orchestra/Järvi/Midori/Aavik: Happy Birthday Arvo Pärt! – Tonhalle Zürich 19.10.2025
Järvi/Sidorova: Pärt/Kōrvits/Vasks/Mozart – Tonhalle Zürich 26.09.2025
Triffts mal wieder voll!
EInem Freund habe ich nach dem Konzert geschrieben:
„Mme Jacquot darf gerne – so er denn mal beim TOZ aufhören wird – Järvi ersetzen. Sie ist für mich bisher von allen jüngeren GastdirigentInnen in der Tonhalle mit Abstand die Beste.“
Freue mich auf Hadelich/Mäkelä demnächst im KKL…
LikeLike