Hahn: Stabat Mater/Dvoràk – Tonhalle Zürich 26.02.2025

Kaum zu glauben, dass dieses wunderbare Werk Dvořáks seit 23 Jahren nicht mehr in der Tonhalle Zürich zu hören war. Nun aber! Und das sehr fulminant! Der junge österreichische Dirigent PATRICK HAHN dirigiert zwei Aufführungen dieser äusserst berührenden geistlichen Komposition in hervorragender Besetzung…

Das „Stabat Mater“ ist Dvořáks erste und bekannteste geistliche Komposition; er schrieb sie tief getroffen vom Schicksal seiner drei kleinen Kinder, die innerhalb von zwei Jahren nacheinander starben. Dies hat ihn sehr geprägt und ist absolut spürbar in diesem Werk, dieser Vertonung der mittelalterlichen Dichtung des „Stabat Mater“ in der es um den Schmerz Marias angesichts des am Kreuze hängenden Jesus geht. Diese tiefe Betroffenheit über seinen eigenen Verlust erlebt man in diesem 90minütigen Werk von der ersten bis zur letzten Note, in diesen tieftraurigen Chorpassagen, aber auch in den Quartetten und Soli spiegelt sich dieser Schmerz und doch spürt man in den letzten Momenten, beim fast schon jubilierenden „Amen“ einen hoffnungsvollen Blick ins Paradies (sofern man an derartige Dinge glaubt). Grossartig die vier Solist:innen SARAH WEGENER (Sopran), KAREN CARGILL (Alt), BENJAMIN BRUNS (Tenor) und CHRISTOF FISCHESSER (Bass), der häufig auch am Opernhaus Zürich in den verschiedensten Partien zu hören ist. Auch Patrick Hahn hat dort zuletzt Barrie Koskys Inszenierung von Lehárs „Die lustige Witwe“ musikalisch betreut. Und einmal mehr ist man erstaunt über den Wohlklang der ZÜRCHER SINGAKADEMIE in der Einstudierung von FLORIAN HELGATH.

Mein persönliches Highlight in diesem Konzert waren sicherlich die beiden famosen Männerstimmen, zum einen Christof Fischessers wunderbar strömender Bass bei seinem Solo (IV: Fac, ut ardeat cor meum), zum anderen der klare Tenor von Benjamin Bruns in den Quartetten, aber auch bei seinem Solo „Fac, me vere tecum flere“. Und gemeinsam mit Sopran und Alt klingen diese vier Solist:innen absolut harmonisch und wunderbar in diesem doch sehr bewegenden Werk, dass eben auch die grosse Religiosität des Komponisten widerspiegelt und sich insgesamt nicht so sehr auf die Traurigkeit über den Verlust, sondern auf den Trost fokussiert. Patrick Hahn lotet all diese Emotionen ganz wundervoll aus, damit es keinesfalls in Kitsch abzugleiten droht, die nicht gerade übervolle Tonhalle applaudiert begeistert. Dvořáks „Stabat Mater“ ist offensichtlich kein allzu grosser Publikumsmagnet, sehr schade, denn man verpasst etwas. Und nach diesem wunderbaren Konzert, steht heute Abend für mich bereits der nächste Dvořák an: „Rusalka“ an der Staatsoper Stuttgart. Lucky me!

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13 Kommentare

  1. FEL!X

    Stabat Mater höre ich gerne von Zeit zu Zeit.
    Gerne von Dvořák, auch von Scarlatti.
    Als Atheist höre ich sehr gerne klerikale Musik, vor allem Messen. Dies zu erfahren, hat den evangelischen Pfarrer damals bei meinem Austritt aus der Kirche irgendwie ratlos zurückgelassen!!

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    1. arcimboldis_world

      Geht mir auch so, muss man einfach losgelöst betrachten, ich höre gerne geistliche Musik, auch Bach und Messen, aber rein der Musik wegen, nicht wegen des ganzen christlichen Gedöns und dieser grausamen Heiligkeit. Uäh, das muss man echt ausblenden.

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