Alonzo King Lines Ballet: Deep River – Theater Winterthur 22.12.2023

Die Company des amerikanischen Choreographen Alonzo King (*1952) gastiert im Theater Winterthur und zeigt die 2022 zum 40jährigen Jubiläum der Kompanie entstandene Arbeit „Deep River“ – die knapp 70 Minuten dauernde Choreographie ist eine Verschmelzung von östlichen und westlichen Bewegungstraditionen, ist eine Kombination aus klassischem und zeitgenössischem Tanz….

„Deep River“ ist ein Appell an die Menschheit positiv zu denken, positiv zu bleiben, auch wenn die Umstände dies nicht immer erlauben. Entstanden grossenteils während der Pandemie, hat das Stück kein Narrativ, berichtet aber von diesen Emotionen, Erfahrungen, Bewusstseinszuständen der Hoffnung, des positiven Denkens, auch in Extremsituationen. Die Tänzer:innen der in San Franciso ansässigen Kompanie bilden eine interessante Mischung aus Herkunft und Stilistik, zu sehen sind Ensembles, starke Soli und zuletzt ein kraftvolles Pas de deux, welches den Abend beschliesst. Gesten des Schmerzes vermischen sich mit Hoffnung und aufkeimender Lebensfreude – bei einem der Pas de deuxs wird vordergründig viel gelacht, jedoch hat man das Gefühl, dass dies tiefliegende Verwundungen überspielt, einen speziellen Umgang mit einer schwierigen Situation zeigt. Es gibt einige bewegende Momente in dieser zumeist kraftvollen Arbeit, durchsetzt mit eher banal wirkenden, jedoch fast ausschliesslich sehr schnellen Bewegungsabläufen. In Erinnerung bleiben vor allem die starken Soli der Männer und das sehr schöne Pas de deux am Schluss, die Ensembles hingegen sind grossenteils etwas langweilig und uninteressant. Die Musikauswahl ist wunderbar, zu hören ist die Stimme von Lisa Fischer (u.a. mit dem Song „Deep River“) – die Songs haben einen spirituellen Hintergrund mit afrikanischen und jüdischen Wurzeln, das musikalische Konzept bildet keine Einheit, ist eher ein Flickenteppich unterschiedlicher Songs und instrumentaler Nummern, grossenteils rhythmisch unterlegt. „Deep River“ ist eine Collage verschiedenster Emotionen und Bilder, wirkt mehr wie eine Momentaufnahme, als dass sich ein dramaturgischer Faden durch den Abend zieht. Insgesamt gesehen ist es ein spezieller Abend, nicht unbedingt mein persönlicher Geschmack was Tanz anbelangt, aber auf jeden Fall ein weiteres sehr interessantes und sehenswertes Tanz-Gastspiel – eine weitere Facette tänzerischen Schaffens – am Theater Winterthur.

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