Arcimboldis Column #12: Bin ich ein Kultur-Junkie?

Wie jedes Jahr zum Ende der Saison, also kurz vor der Sommerpause des institutionalisierten Kulturbetriebes, ziehe ich mein persönliches Kultur-Resümee. Beim Durchblättern meines Archives muss ich mir nun einmal mehr die Frage stellen: Bin ich ein Kultur-Junkie?…

Nun gut. Offen gestanden muss ich nicht lange überlegen und selbst beim schnellen Recherchieren im Netz findet sich sofort die Antwort – diese lautet eindeutig: JA. Ich bin es. Ich bin ein Kultur-Junkie. So what?

Jun·kie (d͜ʃaŋki) – Substantiv, maskulin [der], Jargon

„in fortgeschrittenem Stadium drogenabhängige Person“, Drogenabhängiger, Rauschgiftsüchtiger

Junkie. Erstmals wurde der Begriff in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts geprägt und durch den Roman „Junkie – Bekenntnisse eines unbekehrten Rauschgiftsüchtigen“ von William S. Burroughs in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen. Heutzutage ist es aber auch eine Metapher und wird häufig im übertragenen Sinne gebraucht – zum Beispiel, wenn sich jemand mit besonderer Hingabe bestimmten Dingen und Verhaltensweisen widmet – „Facebook-Junkie“, „Internet-Junkie“ oder eben: „Kultur-Junkie“.

Ich widme mich mit besonderer Hingabe den verschiedenen Sparten Schauspiel, Oper, Tanz, Konzert, Performance… – und wenn ich richtig gezählt habe, so waren es inklusive der gestern Abend besuchten Vorstellung von „Ausschliesslich Inländer“ im Schiffbau genau 80 Vorstellungen in der bisherigen Saison 2017/2108. Nun noch die letzte Opernpremiere am kommenden Wochenende und dann ist erst mal Schluss. Halt, das stimmt nicht ganz – anfangs August noch Festspielzeit in Bayreuth. Aber vielleicht zähle ich die beiden Vorstellungen von „Lohengrin“ und „Der fliegende Holländer“ bereits zur kommenden Saison….

Natürlich gibt es Wochen, wo ich denke „Huh – das wird mir alles zu viel“, aber wenn ich ganz ehrlich bin – darauf verzichten will und kann ich nicht. Und sicherlich gibt es unter den vielen besuchten Vorstellungen auch Produktionen, die ich nicht hätte sehen müssen (weil boring), aber das kann man vorher ja nicht wissen und ich will mir dann doch gerne selbst ein Bild davon machen und die Kulturkritik darf man keinesfalls (zu) ernst nehmen. Weil: Häufig schreibt im Feuilleton ein kostengünstiger Praktikant, der keine Ahnung hat. Gleichzeitig gibt es viele Highlights, die sich in mein kulturelles Gedächtnis einbrennen und mich und mein Leben bereichern und auf die ich unter keinen Umständen hätte verzichten wollen. Denn das ist meine Leidenschaft.

Und mal ganz ehrlich, es steht überhaupt nicht zur Debatte, diese letzte Opernpremiere des guten Wetters zuliebe noch zu streichen – wer verzichtet schon freiwillig auf Claudio Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“ in der Regie von Calixto Bieito?

Ich nicht – also auf zur Vorstellung Nummer 81…

 

 

 

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