Luisa Miller – Oper Zürich 15.04.2018

Eines der Frühwerke Verdis, in den Spielplänen und in der allgemeinen Beachtung etwas vernachlässigt (auch von mir), hat mich in der nun wiederaufgenommenen Zürcher Aufführung so sehr begeistert, ich bin immer noch ganz bewegt – eine feinfühlige sensible Inszenierung und musikalisch einfach grossartig…..Damiano Michieletto inszenierte dieses „Melodramma tragico in drei Akten“ (nach Schillers „Kabale und Liebe“) als Kammerspiel und hat hierfür in der aktuellen Besetzung grossartige Sänger-Darsteller zur Verfügung. Allgegenwärtig im drehbaren, flexiblen Bühnenbild von Paolo Fantin sind diese beiden Welten, die einfach nicht zueinander kommen können – es entstehen beeindruckende Bilder die den Atem anhalten lassen,  etwa im 3. Akt, wenn das soeben eingenommene Gift zu wirken beginnt und in Form von Projektionen durch Fenster und Türen den Bühnenraum flutet und die Szene durchdringt. Dabei wirkt nie etwas aufgesetzt oder „über-inszeniert“, die Musik steht immer im Vordergrund und dennoch entsteht auch szenisch eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Zu verdanken ist dies natürlich einer grossartigen Sängerriege, allen voran der stimmlich immer noch bewundernswerte LEO NUCCI (Jahrgang 1942!!), ist es doch schon 12 Jahre her, seit ich ihn zuletzt auf der Bühne gesehen habe (ebenfalls Zürich, Posa in „Don Carlo“). Sein Vater Miller ist absolut glaubwürdig, will er doch nur das Beste für seine Tochter Luisa, sein herrlicher Bariton tönt immer noch warm und voll in allen Lagen – Bravo!  Die georgische Sopranistin NINO MACHAIDZE – die mit der Luisa Miller ihr Hausdebüt in Zürich gibt – harmonisiert wunderbar zusammen mit dem lyrischen Tenor von MATTHEW POLENZANI. Seine Arie „Quando le sere al placido“ ist einer der Höhepunkte nach der Pause und ist vom Regisseur toll umgesetzt mit der zeitgleich sich schreibenden Briefprojektion von Luisas Brief an Wurm (widerlich schleimig und glaubwürdig gehasst von beiden Seiten: WENWEI ZHANG). JUDITH SCHMID (Federica) und MIKA KARES als Conte di Walter ergänzen diese wundervolle Besetzung mit ihren prachtvollen Stimmen. Ein etwas abgegriffener Begriff trifft hier zu und – so what – ich sag es jetzt einfach: es ist ein Sängerfest. Die Produktion ist spannend von Anbeginn und bleibt es auch bis zum tragischen Schluss. Die Partitur ist bei Dirigent RICCARDO FRIZZA (dessen Repertoire überwiegend Werke der italienischen Oper umfasst) in allerbesten Händen. Sonst finde ich Kinder und Doppelungen von Personen auf der Bühne eher nervig, hier macht es Sinn und es findet sich alles zu einem letzten beeindruckenden Bild zusammen. Was will man mehr? Vor 2 Tagen die tolle Neuproduktion von Shakespeares „Mass für Mass“ im Schauspielhaus und nun diese wunderbare Verdi-Wiederaufnahme: umjubelte Sängerinnen und Sänger und zu Recht „Standing Ovations“  – Begeisterung auf ganzer Ebene!

„Luisa Miller“ von Giuseppe Verdi (1813-1901)

 

 

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