Marion Poschmann – Die Kieferninseln

Das ist ein Buch, was mich von der ersten Seite, dem ersten Satz an begeistert hat.  Restlos. Solch wunderbare Klarheit. Solch heiterer und zugleich melancholischer Weg dieser beiden zufälligen Gefährten durch Japan. Gleich das erste Kapitel hat mich das Buch lieben lassen…

Und danach habe ich mir diesen Roman „eingeteilt“, um möglichst lange an dieser wunderbaren und irgendwie zerbrechlichen kleinen Geschichte teilzuhaben. Marion Poschmann hat eine bildreiche und farbenfrohe Sprache und man spürt fortwährend die Lyrikerin. Und alleine wegen derartiger Sätze und Bilder lohnt sich das Buch:

Undenkbar in Deutschland, dass man sich irgendwohin auf den Weg machte wegen eines einfachen Baums, wegen Blättern! Der Japanische Ahorn mit seinem filigranen Blattwerk nahm wie der amerikanische Zuckerahorn eine karminrote Färbung an, wenn im Herbst eine Periode sonniger, milder Tage und kalter, schon frostiger Nächte einsetzte. (Seite 163)

Das bringt alles auf den Punkt: Liebe zur Natur, zu den Farben, zu Blättern, zu den Wäldern und eben zu den Kiefern, zu den Schwarzkiefern, die es von ihrer natürlichen Verbreitung nur in Japan und Südkorea gibt. Und die in der japanischen Literatur offenbar Sinnbild für die unterschiedlichsten Gefühlszustände sind.

Gilbert Silvester, Privatdozent und Bartforscher im Rahmen eines universitären Drittmittelprojekts, steht unter Schock. Letzte Nacht hat er geträumt, dass seine Frau ihn betrügt. In einer absurden Kurzschlusshandlung verlässt er sie, steigt ins erstbeste Flugzeug und reist nach Japan, um Abstand zu gewinnen. Dort fallen ihm die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Bashō in die Hände, und plötzlich hat er ein Ziel: Wie die alten Wandermönche möchte auch er den Mond über den Kieferninseln sehen. Auf der traditionsreichen Pilgerroute könnte er sich in der Betrachtung der Natur verlieren und seinen inneren Aufruhr hinter sich lassen. Aber noch vor dem Start trifft er auf den Studenten Yosa, der mit einer ganz anderen Reiselektüre unterwegs ist, dem Complete Manual of Suicide.

Die Kieferninseln ist ein Roman von meisterhafter Leichtigkeit: tiefgründig, humorvoll, spannend, zu Herzen gehend. Im Teeland Japan mischen sich Licht und Schatten, das Freudianische Über-Ich und die dunklen Götter des Shintōismus. Und die alte Frage wird neu gestellt: Ist das Leben am Ende ein Traum?

(Inhaltsangabe, Suhrkamp Verlag)

Beeindruckt hat mich die Klarheit von Marion Poschmanns Sprache. Die teilweise absurden, ja fast schon von schwarzem Humor geprägten Szenen. Es ist eine Reisebeschreibung Es ist auch ein Buch über Langsamkeit in unserer schnelllebigen Zeit und über die Liebe zu Haikus. Und ein Buch über die Liebe. Und ein Text über die Sehnsucht nach dem Tod. Und es macht grosse Lust nach Japan zu reisen. Und den grossen japanischen Dichter Matsuo Bashō zu lesen.  Viele Themen werden angerissen und nur an der Oberfläche behandelt, viele gehen in die Tiefe, das macht diesen dünnen Band aus, er lässt sich nicht einordnen, Fragen bleiben offen, das ist am Ende des Romans auch absolut ok. Man hat Freude an den Dingen, die man erfahren hat, an denen man teilhaben durfte. Mehr braucht es nicht…

Marion Poschmann stand mit diesem Roman zu Recht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2017. Erhalten hat ihn ja dann Robert Menasse für seinen ebenfalls wunderbaren Roman „Die Hautpstadt“.

Marion Poschmann – „Die Kieferninseln“, Suhrkamp Verlag 2017

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