Beute Frauen Krieg – Schiffbau 28.12.2017

Beute Frauen Krieg. Das ist eine Collage. „Die Troerinnen“ und „Iphigenie in Aulis“. Von Euripides. Und es ist eine Tragödie. Eine Tragödie der Frauen, es geht um das Leid der Frauen. Um die Trauer der Frauen. Es geht um Beute, Frauen, Krieg. Und eine Schuldzuweisung an die Männer, die an allem Schuld sind (ist das so?). Aus Machtgier, aus ihrem Kriegswillen, aus Besitzansprüchen. Das alte und ewig währende Thema…Karin Henkel hat das inszeniert. Im Schiffbau. Der superlativen und wandelbaren Aussenspielstätte des Schauspielhauses Zürich. Nach der fulminanten „Elektra“ und den imposanten „10 Geboten“ (Kieslowski) in dieser Halle war für mich die Erwartungshaltung und Messlatte sehr hoch. Und wurde erfüllt. Vor der Pause 3 Szenen, abgetrennt durch flexible Bühnenwände, der Zuschauer wandert und sieht alles nacheinander, wechselt die Perspektive. Bei meinem persönlichen Erlebnis begann der Abend mit Helena, gedoppelt bzw. sogar in 3er-Konstellation (Hilke Altefrohne, Isabelle Menke und später dazustossend die wundervolle Kate Strong). Ein pinkfarbenes Püppchen, unschuldig, ausgenutzt, benutzt. Danach Andromache (Carolin Conrad), abgestumpft, am Ende, in der Gosse, erträgt ihr eigenes Kind nicht, wird Zeugin der Ermordung desselben, suhlt sich im Leid. Und dann noch Kassandra (Dagna Litzenberger VInet), eine Marionette auf dem Präsentierteller zur Schau gestellt, die Seherin. Ebenfalls missbraucht. Diese Frauenschicksale nehmen einen mit auf den Horrortrip, an dem die Männer Schuld sind. Und nur sie allein. Intensiviert durch die Kopfhörer für jeden Zuschauer – so ist jeder für sich alleine und doch mittendrin im Geschehen, verstärkt und verstörend. So beginnt auch der Abend. Mit dem Gemurmel der Protagonisten und Sprachfetzen der Texte – wie Nachrichten aus dem Jenseits. Nach der Pause dann der Wechsel vom weiblichen Fokus auf die Sichtweise der Männer. Diese Welt berührt nicht annähernd so stark wie der erste Teil, im monochromatischen Licht des Laufstegs spult sich die weitere Spielszene ab, zeigt den Fanatismus, von dem letztendlich niemand profitiert, zurück bleiben traurige Gestalten, keine Sieger, nur Verlierer. So funktioniert Geschichte. Ein überzeugendes Regiekonzept mit hervorragender Besetzung. Highlight des Abends für mich die überragende Kate Strong sowie Lena Schwarz und Dagna Litzenberger Vinet, die Männer etwas blass dagegen. Ein Abend, der noch lange nachwirkt. Die Stücke so alt und doch so neu (Euripides unter Verwendung der Fassungen von John von Düffel/Troerinnen und Sören Voima/Iphigenie in Aulis). Die Spielstätte Schiffbau wie immer beeindruckend und wandelbar (Bühne: Muriel Gerstner). Tolle Produktion.

„Die Troerinnen“/“Iphigenie in Aulis“ – Euripides (480 v.C. oder 485/484 v.C. – 406 v.C.)

 

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