Hanya Yanagihara – Das Volk der Bäume.

Etwas Zeit braucht es zu Beginn schon, um sich in diesen Roman hineinzufinden. Lange fragt man sich, ist das Fiktion oder ein Tatsachenbericht….

Und das macht auch die Qualität dieses Romanes aus, mit all den Zitaten und Querverweisen und dem angehängten Quellenregister kann man fast nicht glauben, dass diese Handlung fiktiv sein soll. Und letztendlich ist es das auch nicht ganz, denn Hanya Yanaghihara orientiert sich wohl am Leben des 1997 wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Mediziner und Virologen Daniel Carleton Gajdusek. So erfährt man viel über eine Südseeinsel und wissenschaftliche Beobachtungen der Ureinwohner, über tropische Pflanzenwelten und exotische Tiere und entwickelt sonderbarerweise Sympathien für einen Mann, der wegen Missbrauchs verurteilt wird. All dies weiss man bereits am Beginn und seit den ersten Seiten des Romans, konkret wird es aber erst sehr viel später. Bis dahin folgt man gespannt dem Weg eines Wissenschaftlers und seinen fast schon dokumentarisch gehaltenen Erinnerungen.

Der junge Arzt Norton Perina kehrt mit einer unfassbaren Entdeckung von der Insel Ivu’ivu zurück: Hat er wirklich ein Mittel gegen die Sterblichkeit gefunden? Eine uralte Schildkrötenart soll die Formel des ewigen Lebens bergen. So kometenhaft er damit zur Spitze der Wissenschaft aufsteigt, so rasant vollzieht sich die Kolonisierung und Zerstörung der Insel. Mit gnadenloser Verführungskraft zieht Hanya Yanagihara uns hinein in den Forscherrausch im Urwald und lässt uns auch dann nicht entkommen, als Perina dort eine weitere Entdeckung macht: seine fatale Liebe zu Kindern. Wie betrachten wir eine Lebensleistung, wenn sich das Genie als Monster entpuppt? (Hanser Verlag)

Stellenweise ist man als Leser etwas gelangweilt von den seitenlangen Beschreibungen von Fauna und Flora auf Ivu’ivu und den Bräuchen und Ritualen der Ureinwohner, gleichzeitig hat dieser Roman etwas Faszinierendes und Fesselndes, dem man sich nur schwer entziehen kann. Selbst nach Beendigung der Lektüre bleibt das Thema und seine Hauptperson lange Zeit in der Erinnerung haften. Ein sehr interessantes Buch, vor allem auch deshalb, weil das Thema Missbrauch die Autorin offensichtlich sehr beschäftigt, in ihrem Bestseller „Ein wenig Leben“ wird das ganz klar und deutlich. Beide Bücher haben mich sehr bewegt.

Hanya Yanagihara – „Das Volk der Bäume“, Hanser Verlag Berlin, 2019                           ISBN 978-3-446-26202-7 (Werbung)

Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar auf Anfrage kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich beim Hanser-Verlag Berlin sehr herzlich bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst. 

 

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Diesen Beitrag von arcimboldis_world kommentieren

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