Juliana Kálnay – Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens.

Es ist nicht so, dass ich diesem Buch keine Chance gegeben habe. Dreimal habe ich es nun zur Hand genommen und einige Seiten gelesen. Dreimal habe ich es beiseite gelegt und festgestellt, wie sehr mich der Anspruch der Autorin Juliana Kálnay ein künstlerisch wertvolles Buch zu schreiben anödet. Es ist zu konstruiert…Ein Roman ist es jedenfalls nicht. Eher eine Anhäufung mehr oder weniger interessanter, zugegebenermassen teilweise fantasievoller Beschreibungen und Notizen. Nach dem Erscheinen waren sämtliche Feuilletons fast ausschliesslich des Lobes, das – und natürlich die sehr interessant klingende Inhaltsangabe des Verlags – war für mich ausschlaggebend, dieses Buch auf meine Leseliste zu setzen. Es klang sehr interessant, fantasievoll und ich hatte grosse Lust auf die Lektüre dieses Debütromans der 29jährigen Autorin. Vielleicht war meine Erwartungshaltung auch zu gross und konnte somit nur enttäuschen. Dieser Text wirkt sehr konstruiert und bemüht sich durchgehend ein aussergewöhnliches und ideenreiches Werk zu sein. Das geht sehr schnell auf die Nerven und so habe ich es nun beiseite gelegt und werde es keinesfalls ein viertes mal zur Hand nehmen (obwohl ich grundsätzlich immer die Meinung vertrete, dass jedes Buch seine Zeit hat und wenn nicht jetzt, dann ein anderes mal…). Die Hauptfigur beschreibt ein organisch lebendes Haus mit seinen Bewohnern, Etagen, Geschehnissen, Geschichten. Eine schöne Idee, nicht neu… – aber aus meiner Sicht ist das etwas wenig Substanz. Einige Ideen und Phrasen sind schön und gefallen, aber das reicht keineswegs, um mich weiter dafür zu interessieren.

Don verwandelt sich vor den Augen seiner Frau in einen Baum. Ronda hält Goldfische, die nicht bleiben wollen. Die Zwillinge aus dem dritten Stock sind gar keine. Doch von Toni und Bell wissen alle. Die Menschen in Nummer 29 sind seltsam verschworen, kennen sich dabei kaum und teilen längst nicht jedes Geheimnis.

Im Haus mit der Nummer 29 wohnt zuallererst Rita, fast so alt wie das Haus selbst. Sie ist Beobachterin, Schlichterin und Richterin, ein Knotenpunkt mit geheimnisvollen Fähigkeiten und Absichten. Außerdem das Ehepaar Lina und Don, deren Liebe auch Dons fundamentale Verwandlung ziemlich fruchtbringend überdauert. Es gibt einen unbemerkten Mitbewohner, der sich im Aufzug einnistet, es gibt ein Kind, das sich durch Mauern beißt, und eine Wohnung, die ihre Mieter förmlich verschluckt. Rita sieht, was keiner zeigt, und sie versteht, was keiner sagt. Doch bevor sie ihr Wissen weitergeben kann, ist die kleine Maia auf rätselhafte Weise verschwunden.

(Inhaltsangabe, Wagenbach Verlag)

Ich habe versucht jede einzelne Skizze, jedes Kapitel des Romans für sich zu sehen, nichts zu verorten, nichts konkretes zu suchen, losgelöst von jeglicher Erwartung zu lesen – so leid es mir tut, es hat mich sehr gelangweilt und so gebe ich es nun auf und wende mich spannenderer Lektüre zu. Schade.

 

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