Swiss Orchestra/Lena-Lisa Wüstendörfer & Stephan Eicher – Tonhalle Zürich 01.06.2025

Unter dem Titel „Konzert der Wünsche“ erfüllen sich das SWISS ORCHESTRA und STEPHAN EICHER gegenseitig ihre musikalischen Wünsche und garantieren ausverkaufte Konzertsäle in Genf Bern, Zürich und Luzern – das ist typisch Stephan Eicher, der immer wieder mit neuen musikalischen Ideen und Konzertformaten überrascht…

Nebst Depeche Mode und (ja – tatsächlich…) Chris de Burgh habe ich wohl von Stephan Eicher die meisten Konzerte besucht, obwohl er bis vor ungefähr 20 Jahren für mich ein No Name war. Aber seine Stimme gefällt mir immer wieder und immer noch sehr gut und die meisten seiner Songs ebenso. Ich bin damit nicht alleine, denn sämtliche Konzerte dieser special tour waren ausverkauft (mit Zusatzkonzert in Bern) und die Säle mit überwiegend weiblichen Fans besetzt, diese haben jeden Song im Ohr, jede Nummer Eichers parat zum mitsingen und wenn man ihn live erlebt, weiss man auch, wieso das so ist, wenn er dann mit seiner samtig weichen Stimme seine Geschichten und Anekdoten ins Mikrophon haucht, da wird die Mutti schwach. Das gehört eben zu ihm, zu diesem Vollblutmusiker, der immer wieder überrascht, da muss man durch. Die musikalische Bandbreite an diesem Abend ist dann auch immens und man spürt sofort, die Verbindung von Stephan Eicher und LENA-LISA WÜSTENDORFER am Pult des Swiss Orchestra funktioniert prächtig und ist absolut harmonisch, sie haben sich gefunden und in diesem Jahr auch gemeinsam das „Zermatt Unplugged“ eröffnet. Programmatischer Schwerpunkt des Swiss Orchestra – Residenzorchester der Andermatt Konzerthalle – ist Schweizer Sinfonik, insbesondere der Klassik und Romantik und das ist auch das wirklich Spannende an diesem Konzert, denn man bekommt nebst sinfonisch arrangierten (und manchmal für meinen Geschmack etwas weichgespült klingenden) Stephan Eicher Songs auch einige interessante Ausgrabungen und Preziosen an diesem Abend zu hören:

Si tu veux que je chante – Anatoly Lyadov: The enchanted Lake op. 62 – François Couperin: Les Barricades mystérieuses – Weiss nid wases isch – Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68, IV Allegro («Donner, Sturm») – Recomposed by Max Richter: Antonio Vivaldi, Die vier Jahreszeiten, I Der Frühling – Lieblingsläbe – Guggisberglied – Combien de temps – Joachim Raff: 6 Morceaux op. 85, Nr. III Cavatina – 1000 Vies – Reyn Ouwehand: Sillage – Schärme – George Templeton Strong: Suite Nr. 3 «Le Livre d’Images», III. Cortège orientale – Dejeuner en Paix – Zoge Am Boge – Hemmige – Still

Mein persönlicher Favorit der Stephan Eicher – Songs (und soweit ich mich erinnere von Lena-Lisa Wüstendorfer ebenso) an diesem Abend ist definitiv „Lieblingsläbe“, sehr schön auch die Komposition von Rey Ouwehand „Sillage“ (der auch selbst am Klavier begleitete), interessant der von Max Richter üppig arrangierte „Frühling“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, dazu Gassenhauer hier und da, Stimmung zum Aufstehen und Mitklatschen, dazwischen ruhige Momente, Stille und eben immer wieder Stephan Eichers Anmerkungen, die Songs grossenteils von aufdringlicher Lichtregie illustriert, huch, so farbenprächtig aufgepimpt sieht man die Tonhalle Zürich nie (thank god!). Alles in allem kann ich mir vorstellen, dass grosse Eicher-Fans nicht wirklich auf ihre Kosten kamen, regelmässige Konzertbesucher der Tonhalle jedoch hatten das Vergnügen viel unbekannte Musik zu hören, der Abend macht jedenfalls grosse Lust auf weitere Konzerte mit dem Swiss Orchestra und ihrer Leiterin Lena-Lisa Wüstendörfer. Und Stephan Eicher? Der ist sowieso immer wieder für überraschende Konzerte gut und zaubert sicherlich bald wieder einen bunten Blumenstrauss aus seiner musikalischen Trick- und Konzertkiste…

Zuletzt besuchte Konzerte:

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Sokhiev/Guzmann/BRSO: Boulanger/Tschaikowsky/Chausson – Isarphilharmonie München 11.04.2025

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