Ein sehr schöner Einstieg in die Vor-Vorweihnachtszeit mit all seiner Vielfalt an Chorkonzerten: Mendelssohn-Bartholdys Oratorium „Paulus op. 36“ in einer kammermusikalischen Fassung des VOKALENSEMBLEs BACCHANTO gemeinsam mit dem ORCHESTER BACCHANTO unter der musikalischen Leitung von RAPHAEL JUD in der spätklassizistischen Kirche Neumünster in Zürich…
Es war mein erster Besuch in diesem Kirchenbau einer ehemaligen Zürcher Aussengemeinde. Sehr schön liegt die Kirche in dieser Parkanlage mit seinem Rosengarten und ich darf nicht vergessen, einen Besuch im Sommer zu planen. Ein sehr schöner Konzert-Raum mit guter Akustik und der alten Tonhalle-Orgel. Ich kannte bisher nur Mendelssohns „Elias“ (zuletzt gehört unter Thomas Hengelbrock 2019 in der Tonhalle Maag Zürich), nun also mit „Paulus“ eine wirkliche Entdeckung – sehr schöne Musik, bei der man permanent das Gefühl hat, sie schon seit Jahr und Tag zu kennen, das liegt wohl an dem zitierten Bach-Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“. Es behandelt das Leben und Wirken des Apostels Paulus. Der erste Teil beschreibt die Wandlung vom „Saulus zum Paulus“, im zweiten Teil wird von dessen Arbeit als Missionar berichtet. Man erfährt von der Christenverfolgung und dem Märtyrertod des Stephanus – hier hat man natürlich ganz besonders die „Chorausrufe „Steiniget ihn!“ nachhaltig im Ohr. Eigentlich als monumentales grosses Chorwerk angelegt, entfaltet es für mich jedoch in dieser kleinen kammermusikalischen Fassung seinen wahren Reiz. Diese Bearbeitung von JOACHIM LINKELMANN klingt äusserst transparent, stellenweise filigran, ohne jemals „klein“ oder „dünn“ zu wirken. Vor allem in Chorpassagen wie „Siehe, wir preisen selig…“ erklingt eine fast schon zärtliche Sanftheit. Zudem hat das Werk zwei wunderbare Apostelduette und mehrere Soli. Bestechend in diesem Konzert ist vor allem der Tenor MAXIMILIAN VOGLER und der Bassist MATTHIAS HELM, die Stimme der Sopranistin GUNHILD ALSVIK muss man mögen, mein Geschmack ist sie nicht, zu schneidend, zu wenig in Harmonie mit den beiden Männern, klang sie für mich häufig wie ein Fremdkörper in dieser doch eher zarten „Paulus“ -Interpretation. Wirklich bezaubernd hingegen ist der Treueschwur, die Kavatine „Sei getreu bis in den Tod“ von Maximilian Vogler mit dem lyrischen Solo-Cello (sehr schön: SOLME HONG) an seiner Seite. So kurz vor dem Finale, war dies wohl einer der bewegendsten Momente des Konzertes. Der Chor tönt hervorragend einstudiert, leider gibt es ausgerechnet beim Choral „Hier ist des Herren Tempel“ einen sehr holprigen Einsatz, etwas schade, aber wohl auch der Premieren-Nervosität geschuldet. Anyway, ein sehr schönes Konzert und ein wohlklingender Start ins graue Novemberwochenende.
Zuletzt besuchte Konzerte:
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Järvi/Ólafsson: Brahms/Thorvaldsdottir/Strawinsky – Tonhalle Zürich 18.09.2024
Joana Mallwitz: Dessner/Mahler – Tonhalle Zürich 05.07.2024
Herbert Blomstedt: Mozart – Tonhalle Zürich 20.6.2024
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Järvi/Gabetta: Saint-Saëns/Sibelius – Tonhalle Zürich 15.03.2024
Järvi/Apkalna: Poulenc/Fauré – Tonhalle Zürich 08.03.2024
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