Édouard Louis – Monique s’évade.

Seine sämtlichen Veröffentlichungen haben mich bisher begeistert, ich mag diese offene, ehrliche Klarheit seiner Texte. „Monique s’évade“ ist für mich der erste Roman von Édouard Louis, den ich im Original auf Französisch gelesen habe, mittlerweile ist „Monique bricht aus“ auch auf Deutsch erschienen und Louis ist damit auf Lesereise unterwegs….

Nach „Les Loyautés“ von Delphine de Vigan war dies mein zweiter Roman, den ich im Original gelesen habe, das fiel mir – das muss ich klar zugegeben – um einiges leichter als der Roman von de Vigan, seine Sprache ist kraftvoll und klar und in diesem, seiner bereits sechsten Romanveröffentlichung ist er weniger wütend und anklagend, vielmehr voller Liebe zu seiner Mutter, die sich diesen Band – so liest man – wohl auch gewünscht hat. Und – es ist das literarischste Buch von Édouard Louis.

Une nuit, j’ai reçu un appel de ma mère. Elle me disait au téléphone que l’homme avec qui elle vivait était ivre et qu’il l’insultait. Cela faisait plusieurs années que la même scène se reproduisait : cet homme buvait et une fois sous l’influence de l’alcool il l’attaquait avec des mots d’une violence extrême. Elle qui avait quitté mon père quelques années plus tôt pour échapper à l’enfermement domestique se retrouvait à nouveau piégée. Elle me l’avait caché pour ne pas « m’inquiéter » mais cette nuit-là était celle de trop.Je lui ai conseillé de partir, sans attendre. Mais comment vivre, et où, sans argent, sans diplômes, sans permis de conduire, parce qu’on a passé sa vie à élever des enfants et à subir la brutalité masculine? Ce livre est le récit d’une évasion. É. L. (Éditions du Seuil)

Einmal mehr begeistert mich Louis, denn „Monique s’évade“ hat alles was ein derartiger Text braucht: sehr viel Einfühlungsvermögen und eine gewisse Eleganz, dann – wie immer – diese wunderbar klare und sehr präzise Einfachheit. Es ist eine bewegende Hommage an seine Mutter und für mich eines seiner besten und berührendsten Bücher. Wunderbar diese Metamorphose seiner Mutter, die sich bereits zum zweiten mal aus einer schwierigen Beziehung befreit, befreien muss, wie sie sich langsam wieder findet, neu entdeckt. Schon alleine die Beschreibung, wie er gemeinsam mit seiner Mutter die Premiere von „Die Freiheit einer Frau“ in Hamburg besucht, hat mich sehr bewegt. Allerdings fragt man sich schon, wann er mit Themen startet, die nicht seine Familie betreffen, denn als nächstes wird es von ihm wohl einen Text zum Bruder geben…. on verra!

„Monique s’évade“ von Édouard Louis, 2024, Éditions du Seuil, ISBN: 978.2.02.148346.8 (Werbung)

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