Ein Konzert, das herrlich leicht mit Musik des grossartigen Thomas Adès beginnt und mit dem schwülstigen Pathos der „Schottischen“ Sinfonie von Mendelssohn Bartholdy endet. Das erschöpft mich etwas, letztendlich bin ich aber doch sehr beglückt, JANINE JANSEN mit Brahms Violinkonzert zu hören. Ein Konzert mit Music Director PAAVO JÄRVI am Pult des Tonhalle Orchesters Zürich: Adès / Brahms / Mendelssohn Bartholdy…
Konzertbeginn mit „Three Studies from Couperin“, das kommt so leicht daher, das plätschert, ohne gewohnte Cembaloklänge, nur mit dem Orchester und das zweite Stück „Les Tours de passe-passe“ klingt fast ein wenig, als würde man eine Langspielplatte rückwärts hören, ich mag das, ein guter Einstieg in diesen Konzertabend, das sind sehr schöne Momente, um den Tag hinter sich zu lassen und herunterzufahren. Die Werke von Thomas Adès empfinde immer wieder als sehr überraschend, ich habe das Gefühl, diese Musiken schon lange zu kennen, gleichzeitig klingt alles sehr frisch und modern. In dieser Saison hat Adès den Creative Chair des Tonhalle Orchesters inne und so gab es bereits einige spannende Konzerthighlights mit seiner Musik und da folgt wohl noch einiges mehr. Es wäre schön, wenn in der Oper Zürich auch eine seiner Opern oder sein Ballett „Dante“ gespielt würde. Und es ist wirklich lange her, seit ich Janine Jansen zuletzt als Solistin in einem Konzert hatte (2018 mit Anders Eliassons Violinkonzert „Einsame Fahrt“) – Brahms Violinkonzert höre ich live zum ersten mal. Jansens Spiel ist dermassen virtuos und technisch brillant, unglaublich die Sogwirkung des Konzerts, wäre da nicht ausgerechnet bei einem dieser grossen magischen Momente das Klingeln eines Mobiltelefons im Saal zu hören, für einen kurzen Moment merkt man der Solistin und auch Järvi die Irritation an, fuck – das kann doch wohl nicht wahr sein? Ist es so schwierig das Ding auszuschalten? Kann die Tonhalle keinen Störsender (oder eine andere technische Lösung, whatever….) installieren? Die wunderbare Konzentration ist für die nächsten Minuten dahin und es braucht einen weiteren Anlauf, um in diese Musik und das wundervolle Spiel Jansens einzutauchen. Sie spielt keine Zugabe, kein Wunder, das Konzert fordert, ist relativ lang und wenn ich auf die Uhr sehe, wird das Konzert sowieso schon weit länger als die üblichen zwei Stunden dauern. Wunderbar, wie Jansen immer wieder in den Dialog mit dem Orchester tritt, im Ausdruck sowas von präsent ist, dass es fast schon überrascht, wenn sie dann wiederum wie traumhaft ihre solistischen Passagen spielt. Grossartig, begeistert mich mehr als erwartet!
Thomas Adès: „Three Studies from Couperin“ – Johannes Brahms: Violinkonzert D-Dur op. 77 – Felix Mendelssohn Bartholdy: Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 56 MWV N18 „Schottische“
Nach diesem aufwühlenden Violinkonzert hatte ich überlegt in der Pause zu gehen und mir die „Schottische“ von Mendelssohn Bartholdy zu schenken, Brahms hat eben nicht nur Madame Jansen gefordert, sondern auch mich. Aber ich bin geblieben, ich habe gelesen, dass Paavo Järvi Mendelssohn immer gern in seine Programme aufnimmt und mit dem Satz zitiert wird «Seine Musik spricht zu mir. Ich musste mich nie besonders anstrengen, sie spricht mich sofort an.» Nun, mich hat sie nicht wirklich angesprochen, das war mir dann doch alles zu pathetisch, dafür hatte ich heute keine Nerven (auch wenn ich manche Werke von ihm schon toll finde, wie etwa seine Orgelsinfonie…). Und ich habe alles mögliche gehört, aber keine schottischen nebenverhangenen Highlands. Aber das ist auch absolut in Ordnung, gelohnt hat sich dieser Konzertbesuch allemal, alleine schon wegen der wunderbaren Musik von Adès und der überragenden Janine Jansen.
Whats next auf meiner Konzert-Agenda? Kent Nagano dirigiert die «Turangalîla-Sinfonie» von Olivier Messiaen in der Tonhalle Zürich…
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