Der Einstieg in mein Lesejahr 2026 war ganz klar eine hohe Steilvorlage für alles, was in diesem Jahr noch auf meinem Bücherstapel liegt und liegen wird. Jonas Hassen Khemiris neuer Roman „Die Schwestern“, der im Herbst 2025 auf Deutsch im Rowohlt Verlag erschien macht grosse Freude und ist für mich brillante Literatur und tolle Unterhaltung zugleich…
Es ist mein erster Roman von Jonas Hassen Khemiri, ich kannte den Namen, hatte ihn aber nicht wirklich auf meinem Zettel, umso grösser die Freude und das absolut grosse Lesevergnügen, dass ich mit diesem Roman in der ersten Dekade 2026 hatte. Khemiri (*1978 in Stockholm) ist einer der renommiertesten Autoren Skandinaviens. Seine sechs Romane wurden in über dreißig Sprachen übersetzt und stehen nun – nach der Lektüre von „Die Schwestern“ – auf meiner Lese-Bucket-List ganz oben, sein Roman „Die Vaterklausel“ war für den National Book Award nominiert. Seit 2021 lebt Khemiri in New York, wo er Kreatives Schreiben unterrichtet.
Für Jonas ändert sich alles, als Ina, Evelyn und Anastasia in seine Nachbarschaft ziehen. Ihre Mutter kommt aus Tunesien, wer ihr Vater ist, weiß niemand. Die ernsthafte Ina, die verträumte Evelyn und die chaotische Anastasia faszinieren den Erzähler, nichts will er mehr, als in ihrer Nähe zu sein. Ihm wird klar, dass die Schwestern mit seiner Familie und der Vergangenheit seines Vaters eng verflochten sind. Über dreißig Jahre kreuzen sich ihre Leben immer wieder, in Tunesien, Schweden, den USA, sie erleben Liebesgeschichten und Lebenskrisen. Vor allem aber verbindet sie ein Fluch: dass man alles, was man liebt, verlieren wird. (Rowohlt Verlag)
Ich glaube ich bin aufgrund einer Rezension in der New York Times auf diesen Roman gestossen und der Plot hat mich sofort angesprochen und wie es sich manchmal eben so ergibt, gab es zeitgleich auch noch die Premiere einer neuen Produktion „3 Schwestern“ am Schauspielhaus Zürich, die ebenso von drei Schwestern handelt (und eben keine Überschreibung Tschechows ist, sondern ein ganz wundersames und eigenständiges Stück von Barbi Marković). Wunderbar, wie dieser Roman konstruiert ist, wie sich die verschiedenen Ebenen immer wieder miteinander verflechten, ohne zu verwirren. So viel Freude am Erzählen, am Fabulieren und an spannend gestalteten Protagonist:innen und dann – ganz klar – der autobiografische Anteil, den dieser Plot offensichtlich hat. Es geht um Heimat, um Spurensuche, um Migration, um Identität, aber ohne den oft so üblichen Kitsch und die manchmal nervige Politisierung. Es ist wirklich gut geschrieben, packend, ein Pageturner, der wirklich Lust auf mehr Lesefutter dieses Autors macht.
„Die Schwestern“ von Jonas Hassen Khemiri, 2025, Rowohlt Verlag, ISBN: 978-3-498-00497-2 (Werbung)
Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich bei sehr herzlich beim Rowohlt Verlag bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.
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