Cardillac – Oper Zürich 21.02.2026

Encore une fois… – spannend ist es schon, sich eine Oper zweimal kurz hintereinander anzusehen, man entdeckt auf den zweiten Blick nochmals andere Dinge, kann sich vielmehr auf die Musik konzentrieren und unnötige Aktionen ausblenden, stellt aber mitunter auch fest, dass der erste Eindruck selten täuscht. Mein zweiter Besuch von Hindemiths „Cardillac“ innerhalb einer Woche hat meine ersten Eindrücke vom 18.02.2026 nochmals bestätigt…

Was erneut hängen bleibt ist das gewaltige Setting der Shopping Mall von MONIKA KORPA, das ist schon beeindruckend, wenn sich zum ersten mal der Vorhang hebt. Was sich erneut bestätigt hat, ist das nervige Overacting des Chores und die doch sehr vielen platten Operngesten sowie eine häufige Rampensingerei, ich muss ganz ehrlich sagen, die Personenregie von KORNÉL MUNDRUCZÓ ist einfach platt und banal, hier hätte man so viel mehr daraus machen können. Und was mir in dieser Vorstellung noch absolut nachhängt ist der Gestus und die Stimme von MICHAEL LAURENZ als der Offizier. Bei seinem ersten Auftritt ist mein erster Gedanke, hier kommt mit Sturm und Drang der junge Siegfried und beginnt gleich mit den Schmiedeliedern. Dieser Eindruck verstärkt sich noch im Laufe des Abends und irritiert mich völlig. Ich finde seinen charakterstarken Heldentenor wunderbar, aber für diese Rolle ist es too much für mich, einfach zu viel des Guten. Erneut begeistert hat mich der ausdrucksstarke Bariton von GÁBOR BRETZ in der Titelrolle des Cardillac. Und ich muss nochmals erwähnen, wie ärgerlich ich diesen stummen tuntigen Auftritt des Königs finde, sind wir nicht endlich hinweg über dieses dämlich Klischee, über diesen absolut Platten affektierten Gestus, der durch das unsägliche Outfit noch verstärkt wird? Wie kann man nur? Das bringt die Handlung weder voran, noch ist es witzig. Ich finde das absolut daneben. Begeistert hat mich erneut das zugleich wuchtige und filigrane der Partitur, diese wunderbaren sanften orchestralen Momente sowie kurz vor dem Ende noch die Bühnenmusiken und das famos musizierende ORCHESTER DER OPER ZÜRICH im Graben unter FABIO LUISI. Ansonsten hat der erneute Vorstellungsbesuch meine Eindrücke der vorherigen Vorstellung bestätigt, nachzulesen hier: Cardillac – Oper Zürich 18.02.2026 und dem ist nichts weiter hinzuzufügen.

Whats next? – „Giulio Cesare in Egitto“ von Georg Friedrich Händel an der Oper Zürich in fantastischer Besetzung.

Zuletzt besuchte Musiktheater-Vorstellungen:

549: Cardillac – Oper Zürich 18.02.2026

548: Sillons de Mémoires – Oper Zürich Studiobühne 06.02.2026

547: Carmen – Oper Zürich 21.01.2026

546: Barbe-Bleue – Opéra de Lausanne 31.12.2025

545: Die Fledermaus – Oper Zürich 10.12.2025

544: La forza del Destino – Oper Zürich 26.11.2025

543: Hänsel und Gretel – Oper Zürich 20.11.2025

542: El Barberillo de Lavapiés – Theater Basel 05.11.2025

541: Pélleas & Mélisande – Grand Théâtre de Genève 02.11.2025

540: Der Rosenkavalier – Oper Zürich 01.10.2025

4 Kommentare

  1. glasperlenspiel13

    Ich lese jedes Mal mit Respekt deine Beiträge zu den besuchten Veranstaltungen. Da kommt innerhalb kürzester Zeit einiges zusammen! Ich war letzte Woche nach vielen, vielen Jahren wieder das erste Mal in einer Oper. Eine Uraufführung musste es sein 😉 Kennst du „Chronoplan“ von Julia Kerr. Schon die Entstehungsgeschichte ist ein Buch wert. Zusammen mit meinen Kindern habe ich anschließend entschieden, dass wir demnächst dann doch wieder ins Theater gehen. Der Jugend war es tatsächlich zu laut ;).

    Like

    1. arcimboldis_world

      Hello – schön von Dir zu lesen. Und ja, ich bin schon viel unterwegs, aber das ist eben meine Leidenschaft, mein Leben. Die Uraufführung von der Du schreibst, sagt mir nichts, habe aber mal gegoogelt, klingt interessant. es werde ja sowieso viel zu wenig Werke von weiblichen Komponistinnen gespielt. Wie hat es Dir denn gefallen? Und lustig finde ich noch Deinen Kommentar, dass es der Jugend zu laut war, hahaha, mir konnte es in jungen Jahren nie laut genug sein, jetzt – muss ich sagen – geniesse ich häufig auch die Stille. In diesem unserem häufig ach so lauten Leben. Herzlichen Gruss aus Zürich sendet Dir A.

      Like

Hinterlasse eine Antwort zu arcimboldis_world Antwort abbrechen