Sillons de Mémoires – Oper Zürich Studiobühne 06.02.2026

Neue Intendanz, neue Ideen, neue Regisseure und Konzepte und so gibt es nun drei Vorstellungen von „Sillons de Mémoires“ auf der Studiobühne, eine Musiktheater-Performance von DZOVINAR MIKIRDITSIAN und KATHARINA ROSENBERGER. Nun, so neu ist dies nicht, in diesem kleinen Saal tief unter dem Opernhaus/Bernhardtheater, neue Musik zu hören, zu zeigen. Sehens- und vor allem hörenswert ist es jedoch unbedingt…

„Rillen der Erinnerungen“ verweist auf Spuren, die sich unauslöschlich in Körper, Biografien und kollektive Gedächtnisse einschreiben“, so lautet der erste Satz im verteilten giftgrünen Programmzettel und das weckt irgendwie grosse Erwartungen, gleichzeitig kann dieser Einführungstext alles und nichts bedeuten (wie so häufig in dramaturgischen Ergüssen). Der erste Teil der Aufführung ist als installatives Format konzipiert – das Publikum ist eingeladen sich frei im Raum zu bewegen. Im zweiten Teil stehen Sitzmöglichkeiten zur Verfügung. So lautet die weitere Information. Wir treffen uns an der Billettkasse, geben improvisiert die Jacken ab – während sich alles bunt durchmischt, mit dem Publikum für eine Boulevard-Komödie im Bernhardtheater – und nehmen einen anderen Zugang zur Studiobühne als üblich. Wir betreten das „installative Format“ und schweifen, nachdem sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, durch den Saal, begutachten die Instrumente der Percussionist:innen und diverse Plattenspieler mit interessanten Auflagen von tatsächlichem Vinyl bis hin zu Sand. Hier und da sind Objekte im Raum verstreut, vermeintlich willkürlich, aber es ist klar, sie werden noch bespielt und neugierig macht natürlich auch der grosse schwarze Block inmitten des Raums.

Alle flanieren durch den Raum, bis ein kleines Mädchen (ELLIE BERNET) mit ersten Aktionen beginnt und man das Gefühl hat, nun endet eine Klangcollage und man befindet sich in einer Partitur, es folgen verschiedene Soundcollagen, Plattenspieler-Installationen (sehr cool! sie wurden quasi wie ferngesteuert mit Schnüren gescratched – der totale Hingucker und klanglich/musikalisch interessant!) und chorische Gesänge (wie etwa die wunderschönen, einlullenden „Meeresgesänge“ von Katharina Rosenberger), aber auch viel solistische Momente von FLAVIA STRICKER, KARIMA EL DEMERDASCH, SAMUEL WALLACE und EVAN GRAY (alle vier Mitglieder des internationalen Opernstudios) und HENRI BERNARD GUIZIRIAN. Verantwortlich für diese interessante Studioproduktion ist STEVEN WHITING (Konzept, Inszenierung, Ausstattung), der die Aktionen seiner Beteiligten zart und dezent in diese pulsierende Klangwelt einarbeitet. Irgendwann hebt sich diese Blackbox, später spielen die wundervollen Percussionist:innen des EKLEKTO GENEVA PERCUSSION CENTER darunter, bilden zusammen mit der Statisterie diesen „Bandstand“, lösen ihn später wieder auf, sämtliche Aktionen sind fliessend und irgendwann nach der ersten halben Stunde verlässt man sowieso geführt den Raum und nimmt auf der Empore Platz, beobachtet von oben das Geschehen. Musikalisch werden Arbeiten der libanesischen Komponistin Dzovinar Mikirditsian mit Arbeiten der Zürcher Komponistin Katharina Rosenberger verwoben und umgesetzt durch dieses grossartige Kollektiv Eklekto (Künstlerische Co-Leitung: CORENTIN MARILLIER sowie ANNE BRISET, LOUIS DELIGNON und PASCAL VIGLINO). Wenn ich ganz ehrlich bin, hätte es für mich diese szenische Einrichtung, dieses installative Moment nicht unbedingt gebraucht, die Sogwirkung hat sich für mich zumeist in den ruhigen, statischen Momenten ergeben, geschadet hat es natürlich auch nicht. Und letztendlich bleibt es jedem Zuschauer selbst überlassen, was er in diese vielen Momente hineininterpretiert, wie er mit eigenen Erfahrungen oder Begegnungen von Krieg, Krise und Vertreibung umgehen möchte, welchen Blick jeder Anwesende auf eine ungewisse Zukunft hat. Oder nimmt man diesen Abend einfach wie er ist und erfreut sich an den Klängen? Meine Highlights in dieser Musiktheater-Performance, die schon etwas mehr zu bieten hatte als nur „Hurz“? Sicherlich die chorischen Momente, natürlich die grossartigen Percussionist:innen, die immer den Fokus gezogen haben, aber unbedingt auch die sängerischen wirklich tollen Momente der Solist:innen und natürlich ISMAELE GATTI, der den Chor (SOPRALTI und ZUSATZCHOR DER OPER ZÜRICH) ganz hervorragend einstudiert hat und unter dessen musikalischer Leitung ein homogenes Klangbild entstehen konnte. Ach und fast hätte ich das tolle Kostümbild von SARAH BIGLER vergessen, vor allem die schwarzen Outfits von Chor und Statisterie – very nice! Bravo an alle Beteiligten! Eine willkommene Abwechslung zum üblichen Opern-Gedöns-Gassenhauser-Spielplan….!

Whats next? – „Cardillac“ von Paul Hindemith an der Oper Zürich (ML: Fabio Luisi/R: Kornél Mundruczó) ….

Zuletzt besuchte Musiktheater-Vorstellungen:

546: Barbe-Bleue – Opéra de Lausanne 31.12.2025

545: Die Fledermaus – Oper Zürich 10.12.2025

544: La forza del Destino – Oper Zürich 26.11.2025

543: Hänsel und Gretel – Oper Zürich 20.11.2025

542: El Barberillo de Lavapiés – Theater Basel 05.11.2025

541: Pélleas & Mélisande – Grand Théâtre de Genève 02.11.2025

540: Der Rosenkavalier – Oper Zürich 01.10.2025

539: Tannhäuser – Grand Théâtre de Genève 28.09.2025

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