Eine der letzten Inszenierungen seiner Zürcher Intendanz erlebt eine glamouröse Wiederaufnahme: ANDREAS HOMOKIS „Carmen“ mit ELINA GARANČA in der Titelrolle – ein absolutes Highlight im Januarloch!
Schon alleine wegen Garanča lohnt sich der Besuch, denn wie man hört, sind dies wohl ihre letzten Carmen-Vorstellungen, bevor sie sich von dieser Rolle verabschiedet, die sie über so viele Jahre in unzähligen Vorstellungen auf vielen Bühnen dieser Welt geprägt und damit grosse Erfolge gefeiert hat. Nun also wohl ein letztes mal in Zürich in dieser etwas trögen, ja man kann sagen, fast schon langweiligen Produktion des letzten Intendanten. Homokis Produktion hatte seine ursprüngliche Premiere 2020 in Paris an der Opéra Comique, wo Bizets Oper 1875 seine Uraufführung hatte und kein grosser Erfolg wurde (kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, „Carmen“ ist wohl eine der bekanntesten und meist gespieltesten Opern ever…). Und so sieht man gleich zu Beginn gelangweilte Pariser Bürger in Kostümen aus jener Zeit, die etwas Neues und Aufregendes suchen, sie gaffen neugierig zu uns in den Zuschauerraum, während Don José die Partitur, das Libretto, auf der leeren Bühne findet und in die eigentliche Handlung einsteigt. Wir folgen dem Handlungsverlauf auf der leeren Bühne, dem nachgebautem Bühnenraum (Bühne: PAUL ZOLLER) eben jener Pariser Uraufführungsstätte. Bis zu Carmens Ermordung erleben wir unzählig gezogene rote Haupt-Vorhänge von oben, von der Seite, zuletzt zum Grande Finale dann – natürlich – ein schwarzer glitzernder Samtvorhang. Man hat sich sehr schnell daran sattgesehen an den permanenten Auf- und Zu’s dieser Vorhänge, wäre da nicht diese mitreissende Besetzung, die mich packt und zusammen mit DOMINGO HINDOYAN am Pult eine musikalisch hochkarätige Vorstellung präsentiert. Der packende Schluss entschädigt ein wenig zu den vielen handlungsarmen Momenten, manchmal uninspirierten Chorauftritten und dem Versuch Homokis keinesfalls spanischen Kolorit zu zeigen (schön allerdings die Reise durch die Zeit im sanften Wandel des Kostümbildes (GIDEON DAVEY) bis in die heutige Zeit, die man auch so interpretieren kann, dass es schon immer Femizide gab und dies bis heute – leider! – ein grosses Thema ist). Elina Garanča ist wunderbar als Carmen und omnipräsent ab dem ersten Moment, an dem sie die Bühne betritt, hier spürt man einfach ihr Format und ihren immer noch und immer wieder wunderbar tönenden Mezzo, der mir vor allem in den tiefen Lagen absolut gefällt. Hier merkt man die grosse Carmen-Erfahrung in unzähligen Inszenierungen, hier erlebt man unglaublich viele Facetten, darstellerisch und musikalisch.

Nochmals – alleine deswegen lohnt sich dieser Vorstellungsbesuch. STANISLAS DE BARBEYRAC als Don José klingt auch im 4. Akt immer noch frisch und vital, textverständlich und gefällt mir sehr in dieser Rolle, ebenso ILDEBRANDO D’ARCANGELOs Escamillo. De Barbeyracs Don José ist so glaubwürdig in seiner tumben, aber dermassen sympathischen Einfältigkeit, man möchte ihm fast ein paar Tipps zurufen, weiss man doch, wie das endet. OLGA PERETYATKO verzaubert als Micaëla und ganz besonders bemerkenswert ist das Debüt von YEWON HAN als Frasquita, die immer wieder heraussticht in den Ensembles. In weiteren Rollen sind SIENA LICHT MILLER (Debüt als Mercédès), JOHAN KROGIUS (Debüt als Remendado), GREGORY FELDMANN (Debüt als Dancaire), STANISLAV VOROBYOV (Zuniga) und GURAM MARGVELASHVILI (Moralés) zu sehen, allesamt überzeugend, spielfreudig und gut disponiert. Hauschor, Kinderchor und SoprAlti der Oper Zürich wurden von KLAAS-JAN DE GROOT einstudiert. Anders als auch schon, hört man aus dem Graben eine wohltemperierte „Carmen“ mit flotten Tempi und sehr differenziertem Klang – schön, verzichtet Hindoyan auf übermässiges Haudrauf bei den bekannten Nummern, so dass niemand im Saal dazu verleitet wird mitzusummen oder gar zu klatschen (alles schon erlebt!). Ich bin kein übermässiger Fan dieses Werkes, aber ich muss sagen, dies ist nun innerhalb eines Jahres bereits das zweite Carmen-Highlight (zuletzt „Carmen“ im Mai 2025 an der Opera Carlo Felice in Genua). Wer hätte das gedacht? Ein sehr schöner Einstieg ins Opernjahr 2026!
Whats next? – „Cardillac“ von Paul Hindemith an der Oper Zürich….
Zuletzt besuchte Musiktheater-Vorstellungen:
546: Barbe-Bleue – Opéra de Lausanne 31.12.2025
545: Die Fledermaus – Oper Zürich 10.12.2025
544: La forza del Destino – Oper Zürich 26.11.2025
543: Hänsel und Gretel – Oper Zürich 20.11.2025
542: El Barberillo de Lavapiés – Theater Basel 05.11.2025
541: Pélleas & Mélisande – Grand Théâtre de Genève 02.11.2025
540: Der Rosenkavalier – Oper Zürich 01.10.2025
539: Tannhäuser – Grand Théâtre de Genève 28.09.2025
Schönen Dank für die engagierte Vorstellung der Vorstellung – und weiterhin ein gutes Opernjahr!
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