An American in Paris – Grand Théâtre de Genève 20.12.2025

Nach mehr als 600 Vorstellungen am Broadway, mehr als einem Jahr Spielzeit am Londoner Westend und einer weltweiten Tour durch die USA, Asien und Europa nun endlich auch in der Schweiz zu sehen: George und Ira Gershwins grandiose (Film-)Musik, in einer Bühnenadaption von CHRISTOPHER WHEELDON und einem fulminant aufspielenden ORCHESTRE DE LA SUISSE ROMANDE unter der Leitung von WAYNE MARSHALL…

Fast den ganzen Dezember gastiert diese Produktion am Grand Théâtre de Genève, bevor dieses (schon wieder) für ein Jahr zwecks Renovierung schliesst und seine Produktionen 2026 im Bâtiment des Forces Motrices zeigt. Und die Reise nach Genf lohnt sich einmal mehr, denn wirklich beglückt verlässt man nach 3 Stunden das Theater. Das Orchestre de la Suisse Romande spielt diese Musik dermassen gut, dass man völlig hingerissen ist und noch am Tag danach diesen Sound, diesen Groove im Ohr hat. Wayne Marshall ist für diese musikalische Leitung natürlich ein absoluter Glücksgriff und ich erinnere mich noch sehr gut an sein fantastisches Konzert in der Tonhalle Zürich gemeinsam mit Paavo Järvi (und Musik von Dessner, Gershwin, Marshall, Rachmaninow im Programm). Christopher Wheeldons Regie und seine Choreografien haben eine wunderbare Leichtigkeit und nehmen den Filmklassiker von Vincente Minelli (mit Leslie Caron und Gene Kelly) als Referenz. Zu diesem Gefühl trägt vor allem auch die wunderbare Ausstattung von BOB CROWLEY (Bühne und Kostüm) und die absolut tollen Videoprojektionen von 59 STUDIO bei, welche die vielen Szenenwechsel überhaupt erst möglich machen und dem Stück das Tempo geben, dass es braucht. Und natürlich sind es Wheeldons Choreografien, die eine Reminiszenz an Gene Kelly und seine Zeit sind und doch gleichzeitig so modern und zeitgemäss wirken. Der Sound von JON WESTON ist hervorragend, man versteht jedes Wort, absolut ausgewogen mit dem – ich kann es nur nochmals erwähnen – hinreissend spielenden Orchester. Das Ensemble ist ebenso hervorragend – auch wenn man manchmal feststellt, dass der Fokus eher auf tänzerischen und nicht immer auf den musikalischen Qualitäten liegt – und hat diese Produktion bereits seit Anbeginn begleitet wie etwa ROBBIE FAIRCHILD als Jerry Mullligan oder MAX VON ESSEN als Henri Baurel. Dies ist eine Produktion auf sehr hohem Niveau und hat sämtliche Qualitäten einer Broadway sit-down Produktion. In weiteren Rollen zu sehen sind ANNA ROSE O’SULLIVAN als Lise Dassin, REBECCA EICHENBERGER als Mme. Baurel, ETAI BENSON als Adam Hochberg und als Milo Davenport EMILY FERRANTI sowie ein riesiges Ensemble – hier wurde nicht gespart, was letztendlich auch die Qualität der grossen Ensemblenummern ausmacht – wunderbar!

Gershwins Musik ist auch heute noch wunderbar flirrend und temporeich mit all seinen Rhythmen und interessanten Instrumentierungen in der Partitur und das Orchesterwerk „An American in Paris“ eine wunderbare Grundlage für Film und Bühne, ergänzt mit weiteren Werken wie etwa das immer wieder herrlich zu hörende Concerto in F oder natürlich Jazz-Standards wie „I got Rhythm“ (eigentlich aus dem Musical „Girl Crazy“). Also wer die Chance hat, diese Produktion zu sehen – nichts wie hin, denn ich kann es nur nochmals erwähnen, alleine wegen Wayne Marshall am Pult lohnt sich der Besuch! Grossartig!

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Fiddler on the Roof“ – Grand Opera House Belfast 06.08.2025

Kinky Boots“ – Bord Gáis Energy Theatre Dublin 16.07.2025

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“Illinoise“ – St James Theatre New York 09.05.2024

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„Rent“ – Theater St. Gallen 07.04.2024

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