Monster Chetwynd/Roman Signer – Kunsthaus Zürich.

An diesen heissen Sommertagen kann man ins lauwarme Wasser des Zürichsees springen, in die total überfüllte Badi gehen oder man fährt zum klimatisierten Kunsthaus am Heimplatz und taucht dort in die bunte immersive Welt von MONSTER CHETWYND ein, bevor man dann vom Chipperfield-Bau auf die andere Strassenseite wechselt und dort durch die Arbeiten von ROMAN SIGNER spaziert… – sehr schön!

Chetwynds Werke werden in einer eigens von der Künstlerin geschaffenen Szenografie präsentiert – eine interessante, teils skurrile Mischung aus Skulpturen, Videoinstallationen, Performancedokumentationen, bunt, schräg, witzig, eine Melange aus Mittelalter und Popkultur, fröhlich und lebensbejahend. Man spaziert durch die begehbaren Objekte und bleibt zuletzt an der grossen Videoinstallation „Hermitos Children 1 – 3“ hängen, die wirklich sehenswert ist. „Im Zentrum der Filmreihe steht die telepathisch begabte Kommissarin Joan Shipman, die mit unkonventionellen Methoden und übersinnlichen Fähigkeiten rätselhafte Fälle löst – oft im Kontext sexueller Verbrechen. Die episodische Struktur der Filme verbindet Szenen aus früheren Performances mit skurrilen Charakteren, psychodelischen Bildwelten und absurden Handlungssträngen, wodurch eine fragmentarische, experimentelle Erzählweise entsteht. Chetwynd nutzt diese Elemente, um Themen wie Gender, Identität und gesellschaftliche Normen spielerisch zu hinterfragen“ (Kunsthaus Zürich).

Bevor man dann in die anderen Gebäude zur Ausstellung „Landschaft“ mit Werken von Roman Signer wechselt, sollte man keinesfalls verpassen, noch kurz in der Eingangshalle einen Blick auf die farbintensive Grossinstallation des US-amerikanischen Künstlers Jeffrey Gibson zu werfen, die voraussichtlich bis 2026 dort zu sehen ist – leuchtend bunt, eine kraftvolle Mischung aus Skulptur, Gemälde, Perlenstickerei, Siebdruck, Keramik, Textilien….

Und dann als starker Kontrast dazu die Arbeiten Roman Signers im wunderbaren Nachmittagslicht der grossen Ausstelllungshalle. Signer versetzt unter dem Einfluss natürlicher Kräfte wie Wasser, Wind und Feuer alltägliche Gegenstände in Bewegung. Anhand der ausgestellten Objekte und Videos kann man das gut nachvollziehen und wünscht sich fast, bei einer seiner nächsten Aktionen live dabei zu sein. Wunderbar finde ich die „Sandtreppe“ von 1973 – das älteste Werk in der Ausstellung – und eine Installation von 2006 mit Super-8-Filmen (1975-1989) und Gebärdensprache: zu sehen sind zehn ausgewählte Arbeiten, die von einer Gebärdendolmetscherin erklärt werden, das ist wunderbar und mein Highlight des Tages! Beide Ausstellungen lohnen sich unbedingt, auch wenn ich den Eintritt mit 36 CHF pro Person ziemlich happig finde und im Kunsthaus Zürich der Schweizer Museumspass leider nicht gültig ist. Diese Preisgestaltung finde ich sehr elitär und fast schon unverschämt, aber natürlich wird vom Kunsthaus viel Geld für Gutachten und Anwälte verbrannt, das ist die neverending „Bührle-Story“, tja…

Kunsthaus Zürich, Heimplatz 1/5, 8001 Zürich – www.kunsthaus.ch

(Copyright des Beitragsbildes mit den beiden Plakaten: Alex Colle)

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7 Kommentare

  1. arnoldnuremberg

    Der Besuch beider Ausstellungen in klimatisierten Räumen liest sich interessant.

    Allerdings bleibt mir die Spucke weg beim genannten Eintrittspreis sowie der Lektüre über die Stiftung Sammlung E. G. Bührle in Wikipedia.

    Kopfschütteln wie aktuell bei der Bayerischen Staatsgemäldesammlung …

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    1. arcimboldis_world

      Ja, naja, ich bin ja die Schweizer Preise gewohnt, so ist das hier eben, aber dennoch finde ich das irgendwie too much, ich war etwas sauer und habe das auch der Kasse gesagt, die ja nichts dafür kann. Aber zu zweit 72 CHF für 1.5 h im Museum, mich regt vor allem auf, dass ja nicht jeder sich das leisten kann, dadurch hat das sowas elitäres und Kunst sollte für alle sein, in anderen Ländern kosten Museen keinen Eintritt. Naja, schön waren die beiden Ausstellungen natürlich dennoch. Ich habe einen Museumspass, der auch 170 CHF im Jahr kostet, mit dem kann ich in fast alles Museen ohne Eintritt zu bezahlen, damit unterstützt man auch die CH-Museumslandschaft, aber der gilt natürlich nicht im Kunsthaus (und – by the way – in Riehen in der Sammlung Beyeler auch nicht…). However, ich freue mich immer über Deine Kommentare und ich das Gefühl habe, ich schreibe nicht nur für mich, sondern das liest auch noch hin und wieder jemand. Danke Dir! Und liebe Grüsse nach Nürnberg. A.

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      1. arnoldnuremberg

        Hm, ja, Museumspass ist nicht überall gültiger Museumsspaß …
        Beim Klassentreffen erzählte gerade ein Freund vom Senioren-Museumspass der Stadt Nürnberg. Der ist günstig, macht ihm viel Freude und umfasst die städtischen Museen, nicht aber die beiden staatlichen Häuser Neues Museum und Zukunftsmuseum.
        In Züri würde mich das Thomas-Mann-Archiv interessieren.
        Am heutigen Sonntag freue mich auf einen Spaziergang und Chorkonzert in Gostenhof. Dort ist freier Eintritt angesagt und anschließende Korbsammlung – auch eine Variante …
        Schöne Grüße aus Nüri
        B.

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