Venedig macht heutzutage mehr Schlagzeilen mit seinen Problemen, als mit der seit Jahrhunderten erhaltenen Schönheit der Stadt und der Lagune. In den Medien sieht man nur noch riesige, grässliche Kreuzfahrtschiffe, die am Markusplatz vorüber ziehen und durch die engen Gassen strömende Massen an Tagestouristen. In ihrem neuen Roman „Aqua Alta“ schildert die französische Autorin Isabelle Autissier den Untergang des Weltkulturerbes: Venedig fällt 2021 einer gigantischen Flut zum Opfer – ein hochaktuelles und brisantes Thema, eine packende Geschichte, spannend erzählt…
30 Millionen Menschen strömen jedes Jahr nach Venedig, man kann es kaum glauben. Und trotz des Megaprojekts M.O.S.E. sind die Zukunftsaussichten dieser wunderschönen Stadt in der Lagune alles andere als rosig. Doch was kann man tun? Die Gier nach Profit und schnellem Umsatz ist grösser als das nachhaltige Denken. Isabelle Autissier, die Autorin von „Aqua Alta“ machte 1991 Furore, als sie als erste Frau allein im Rahmen einer Regatta die Welt umsegelte, von 2009 – 2021 war sie Präsidentin des WWF Frankreich.
2021: Venedig ist von den Wassermassen eines letzten Acqua alta verschlungen worden. Guido Malegatti, einer der Überlebenden, fährt mit dem Boot durch die Ruinen, auf der Suche nach Frau und Tochter. Zwei Jahre zuvor: Angesichts des drohenden Meeresspiegelanstiegs bahnt sich der Konflikt innerhalb der Familie an. Guido als Wirtschaftsrat schwört auf den Tourismus und die Segnungen der Technik. Seine Frau Maria Alba schwelgt in der vergangenen Pracht einer Stadt am Rande des Zusammenbruchs. Und ihre 17-jährige Tochter Léa wird in dem Versuch, die geliebte Stadt zu retten, zur Gegnerin ihres Vaters. (mare Verlag)
Drei Personen, drei komplett andere Meinungen und Haltungen zum Thema Klimaerwärmung, Nachhaltigkeit, Umweltschutz, in diesem Fall Schutz der Stadt Venedig, Schutz der Lagune. Die Spaltung geht in diesem Fall komplett durch die Familie, sorgt für unheilbare Wunden. Autissier beschreibt dieses dramatische, wie realistische Szenario des Untergangs einer tausend Jahre alten Stadt so glaubhaft und erschütternd, man mag es fast nicht glauben, dass es reine Fiktion ist. Die Katastrophe selbst wird nur kurz beschrieben, viel mehr verwendet die Autorin ihren Blick auf die unterschiedlichen Meinungen zu diesem Thema, auf die politischen Spannungen im Land, in der Kommune und diesen quer durch die Gesellschaft gehenden Riss. Nachdem ich zu Beginn diesem Plot gegenüber eher skeptisch war, ja das Thema fast schon etwas platt und abgegriffen fand, muss ich doch sagen, dass mich dieser Roman in seinen Bann gezogen und sich ziemlich rasch zu einem Pageturner entwickelt hat.
„Aqua Alta“ von Isabelle Autissier, 2024, mare Verlag, ISBN: 978-3-86648-708-6 (Werbung)
Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe das Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich beim mare Verlag sehr herzlich bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.
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Hol ich mir, danke!
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Dann frohes Lesevergnügen, wobei, so froh ist das Thema gar nicht…. herzlichst aus Z. – A.
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Danke Adrian, habe mich gerade etwas eingelesen. Sicher interessant erzählt.
Allein, solche Future-Katastrophen-Geschichten mag ich eher nicht.
Hier in Fernost häufen sich gerade die Berichte von schrecklichen Überschwemmungen in Nordthailand – da mag ich dieses mögliche Desaster der Serenissima ganz und gar nicht.
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Das kann ich verstehen lieber Felix, sende Dir viele Grüße aus Zürich und hoffe bei Dir alles gut! Herzlichst. A.
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