In der alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltungsreihe „Next Generation“ (ehemals „Junge Choreograph:innen“) bietet sich interessierten Mitgliedern des Balletts und Juniorballetts Zürich die Möglichkeit, neu entwickelte, eigene Choreographien zu zeigen. Auch diese Ausgabe zum Ende der Saison 2023/24 zeigt eine immense Bandbreite von interessanten Arbeiten und grosses Talent – um die Zukunft des Tanzes muss man sich jedenfalls nicht sorgen…
Neun Choreograph:innen haben in den letzten Monaten gemeinsam mit fast dreissig Tänzerkolleg:innen und unterstützt von Ballettdirektorin Cathy Marston die gezeigten Kreationen in ihrer Freizeit und in den knappen Pausenzeiten entwickelt und einstudiert. Zu sehen ist ein bunter Mix unterschiedlicher Stile und Ästhetiken – grossartig! Was für eine tolle Energie und Kraft gibt es an diesem Premierenabend in den Tiefen unterhalb des Opernhauses auf der Studiobühne zu sehen.
Soft and tender: Quentin Nabor – Out of the Room: Max Richter – I Don’t Want This Poem to End: Lucas Valente – Into Warmer Air: Jorge Garcia Pérez/Shelby Williams – Laroon: Makani Yerg – Molo: Mlindi Kulashe – 91: Marti Gutiérrez Rubí – Mana: Inara Wheeler









Die Bandbreite der Arbeiten ist immens: Der Abend beginnt showy mit „Soft and tender“ und erzählt den Abschied von der Kindheit, den Übergang in die Erwachsenenwelt, Lebensfreude pur mit fliessenden Bewegungen von Quentin Nabor, gefolgt von Max Richters „Out of the Room“. Richter zeigt ebenfalls zwischenmenschliche Begegnungen und wundervolle Partnerarbeiten, sehr schön das Pas de deux von Brandon Lawrence und Marià Huguet. In Lucas Valentes kraftvollem Stück „I Don’t Want This Poem to End“ sieht man Giulia Tonelli endlich einmal wieder, unglaublich stark gemeinsam mit Valente, der selbst in seinem Stück tanzt. Das Stück bewegt sehr, in heutigen Zeiten von weltweiten Krisenherden, Krieg und Auseinandersetzungen umso mehr, es fragt nach Opfern, Gewinnern und Verlierern. Vor der Pause erneut grossartige Partnerarbeit (Daniela Gómez Pérez/Dustin True) in der gemeinsamen Arbeit „Into Warmer Air“ von Jorge García Pérez und Shelby Williams: Sie fragen sich, wie emotionale Ausnahmesituationen und Grenzerfahrungen körperlich umgesetzt werden können und versuchen die Verwirrung, Verzweiflung und schliesslich Frieden und Resignation choreographisch abzubilden. Sehr bildhaft, sehr ausdrucksstark und archaisch, sehr gelungen. Nach der Pause – in Makani Yergs Arbeit „Laroon“ – wird einmal mehr klar, wie grossartig sich die Musik Arvo Pärts für tänzerische Arbeiten eignet. Sämtliche Arbeiten an diesem Abend sind sehr persönlich, während Martí Gutiérrez Rubís „91“ eine Hommage an seinen mexikanischen Grossvater zeigt, sehen wir in dem wundervollen Piece „Molo“ von Mlindi Kulashe Lebensfreude pur. Wir sehen den Tanz als ein gemeinsames Erlebnis unter Freunden, als reinen Glücksmoment, als positiven energiegeladenen Augenblick voller Kraft und Spannung und unglaublicher Ausdauer. All das verkörpern Sean Bates, Chandler Dalton und Lucas van Rensburg zu Haydns Cellokonzert Nr. 1. Schlusspunkt des Abends bildet die wirklich aussergewöhnliche Arbeit „Mana“ von Inara Wheeler, hier stimmt alles: Licht, Choreographie, Kostümbild und die interessante Musikauswahl. „Mana“ ist für mich die alles überragende Arbeit des Abends, so jung und zeitgemäss, ich bin begeistert! Überhaupt sind die gewählten Musiken und Soundcollagen an diesem Abend wunderbar. Zwei Stunden Tanz auf hohem Niveau – und was für eine immense Bandbreite an Stilen und Bewegungssprachen! Eine tolle Möglichkeit für die Tänzer:innen, sich als Choreograph:in auszuprobieren, neue Wege zu gehen, mehr über sich zu entdecken. Und wann hat man sonst die Möglichkeit, den Tänzer:innen so nah zu sein, deren Energie so direkt und unmittelbar zu spüren. Die Studiobühne mit seinem eher intimen Rahmen ist hierfür optimal geeignet. Grossartig! Wohlverdiente Standing Ovations für Alle!
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