Viel im Vorfeld darüber gelesen bzw. in diversen Kulturmagazinen im TV gesehen – die „One-Man-Show“ mit Musik nach STEFAN ZWEIGs berühmter „Schachnovelle“, die er 1941/42 im brasilianischen Exil schrieb. Es ist sein letztes und wohl auch bekanntestes Werk. Eine Produktion des Burgtheater Wien mit dem unglaublich begabten NILS STRUNK, nun als zweitägiges Gastspiel am Theater Winterthur…
Und einmal mehr muss man die Programmierung des Theater Winterthur loben, immer wieder hochkarätige Produktionen in grossartiger Besetzung, immer noch in toller Erinnerung: die wunderbare Stefanie Reinsberger in Thomas Bernhards „Der Theatermacher“ (vom Berliner Ensemble) oder „Maria Stuart und Elisabeth“ vom Thalia Theater Hamburg. Nun aber zu Stefan Zweigs „Schachnovelle“: Von der Burg selbst wird dieser Abend als „musikalisches Schauspiel“ betitelt, es ist – wenn man es dann sieht – eine interessante Mischung aus Monolog, absolut gekonntem Slapstick, einem Nils Strunk, der sämtliche Personen spielt und spricht und dem Text dadurch etwas sehr plastisches und lebendiges verleiht und selbst eine klassische Stand-Up-Comedy-Sequenz hat das Regieduo NILS STRUNK und LUKAS SCHRENK in Zweigs Text eingebaut und Strunk spielt all das so grossartig und überzeugend, er ist ein absoluter Tausendsassa, wie er spielt und musiziert und singt und trotz der stellenweisen Schwere, den der Text auch hat, schwebt dieser Abend in einer Leichtigkeit dahin. Zweigs Text hat in der Ausgabe des Fischer Verlags gerade einmal 110 Seiten, wird aber in dieser Bühnenfassung auf gut 2h10 gedehnt, das wirkt nie langweilig, ist für mich aber dennoch an der Schmerzgrenze und hätte auch mit etwas weniger Musiknummern funktioniert. Nils Strunk füllt diese Zeit mit grossartiger Präsenz, wunderbarer Deklamation und immenser Wandlungsfähigkeit, da er sämtliche Rollen auch dialogisch übernimmt und selbst das von MAXIMILIAN LINDNER gestaltete Setting des Abends permanent selbst neu arrangiert – sehr schön sind die für die Ausstattung verwendeten Zeichnungen des Künstlers HERBERT NAUDERER. Aber natürlich lohnt sich der Besuch dieser Produktion schon alleine wegen der hervorragenden Musiker – JÖRG MIKULA an den Drums/ Percussions/Celesta, BERNHARD MOSHAMMER am Bass/Gitarre und Vocals sowie MARTIN PTAK an der Posaune/Harmonium/Celesta – und den wunderbar arrangierten Musiken mit Swing, Jazz, ja sogar Walzer- und Balkan-Anklängen (Musik: NILS STRUNK/Songtexte: LUKAS SCHRENK), denen man sich nicht entziehen kann und die nach dem Schlussapplaus noch eine kleine Zugabe-Session geben. Interessant vor allem die Erkenntnis, dass man nie das Gefühl hat, dass Nils Strunk – neben den drei Musikern – alleine auf der Bühne steht.

Ein unterhaltsamer, aber auch irgendwie fordernder und anstrengender Abend. Und die Erkenntnis, wie aktuell dieser Text von Stefan Zweig immer noch ist. Und in dieser Version ist es so viel mehr als eine Lesung des Textes, es ist ein musikalisch arrangierter Kommentar. Kein Wunder sind die Vorstellungen an der Burg regelmässig ausverkauft.
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