Encore une fois… – spannend ist es schon, sich eine Oper zweimal kurz hintereinander anzusehen, man entdeckt auf den zweiten Blick nochmals andere Dinge, kann sich vielmehr auf die Musik konzentrieren und unnötige Aktionen ausblenden, stellt aber mitunter auch fest, dass der erste Eindruck selten täuscht. Mein zweiter Besuch von Hindemiths „Cardillac“ innerhalb einer Woche hat meine ersten Eindrücke vom 18.02.2026 nochmals bestätigt…
Was erneut hängen bleibt ist das gewaltige Setting der Shopping Mall von MONIKA KORPA, das ist schon beeindruckend, wenn sich zum ersten mal der Vorhang hebt. Was sich erneut bestätigt hat, ist das nervige Overacting des Chores und die doch sehr vielen platten Operngesten sowie eine häufige Rampensingerei, ich muss ganz ehrlich sagen, die Personenregie von KORNÉL MUNDRUCZÓ ist einfach platt und banal, hier hätte man so viel mehr daraus machen können. Und was mir in dieser Vorstellung noch absolut nachhängt ist der Gestus und die Stimme von MICHAEL LAURENZ als der Offizier. Bei seinem ersten Auftritt ist mein erster Gedanke, hier kommt mit Sturm und Drang der junge Siegfried und beginnt gleich mit den Schmiedeliedern. Dieser Eindruck verstärkt sich noch im Laufe des Abends und irritiert mich völlig. Ich finde seinen charakterstarken Heldentenor wunderbar, aber für diese Rolle ist es too much für mich, einfach zu viel des Guten. Erneut begeistert hat mich der ausdrucksstarke Bariton von GÁBOR BRETZ in der Titelrolle des Cardillac. Und ich muss nochmals erwähnen, wie ärgerlich ich diesen stummen tuntigen Auftritt des Königs finde, sind wir nicht endlich hinweg über dieses dämlich Klischee, über diesen absolut Platten affektierten Gestus, der durch das unsägliche Outfit noch verstärkt wird? Wie kann man nur? Das bringt die Handlung weder voran, noch ist es witzig. Ich finde das absolut daneben. Begeistert hat mich erneut das zugleich wuchtige und filigrane der Partitur, diese wunderbaren sanften orchestralen Momente sowie kurz vor dem Ende noch die Bühnenmusiken und das famos musizierende ORCHESTER DER OPER ZÜRICH im Graben unter FABIO LUISI. Ansonsten hat der erneute Vorstellungsbesuch meine Eindrücke der vorherigen Vorstellung bestätigt, nachzulesen hier: Cardillac – Oper Zürich 18.02.2026 und dem ist nichts weiter hinzuzufügen.
Whats next? – „Giulio Cesare in Egitto“ von Georg Friedrich Händel an der Oper Zürich in fantastischer Besetzung.
Zuletzt besuchte Musiktheater-Vorstellungen:
549: Cardillac – Oper Zürich 18.02.2026
548: Sillons de Mémoires – Oper Zürich Studiobühne 06.02.2026
547: Carmen – Oper Zürich 21.01.2026
546: Barbe-Bleue – Opéra de Lausanne 31.12.2025
545: Die Fledermaus – Oper Zürich 10.12.2025
544: La forza del Destino – Oper Zürich 26.11.2025
543: Hänsel und Gretel – Oper Zürich 20.11.2025
542: El Barberillo de Lavapiés – Theater Basel 05.11.2025
541: Pélleas & Mélisande – Grand Théâtre de Genève 02.11.2025
540: Der Rosenkavalier – Oper Zürich 01.10.2025