Händels „Halleluja“ aus seinem Oratorium „Messiah“ hat es in die Populärkultur geschafft – das kennt wohl jeder, aber dieses Werk hat so viele weitere wunderschöne Momente. In grossartiger Besetzung war es nun in 2 Konzerten unter JAN WILLEM DE VRIEND in der Zürcher Tonhalle zu hören. Ein wunderbarer musikalischer Einstieg in die kommenden Weihnachtstage…
Entsprechend seines Inhalts setzte Händel das Oratorium ursprünglich in der Oster- bzw. Fastenzeit auf den Spielplan, heutzutage ist es zumeist in der Adventszeit zu hören – alleine in der Region Zürich gab es aktuell mehrere Konzerte mit diesem populären Werk geistlicher Musik. Und natürlich findet sich das „Halleluja“ auf den meisten Compilations mit Weihnachtsliedern. Die grossartigsten und bewegendsten Momente in diesem Konzert in der Tonhalle waren für mich zwei Arien der Einspringer CONSTANTIN ZIMMERMANN (Altus) und HANNO MÜLLER-BRACHMANN (Bass). Die Alt-Arie kurz vor der Pause „He was despised and rejected of a men“ (Nr. 20) von Constantin Zimmermann war zum Weinen schön und für mich das definitive Highlight des Konzertes – so verinnerlichte Worte und die absolut richtige Dosis an Emotionen, grossartig! Bravo! Ebenso beeindruckend die sehr lange Bass-Arie „The trumpet shall sound“ (Nr. 43) von Hanno Müller-Brachmann sehr virtuos gesungen und wundervoll begleitet von HEINZ SAURER an der Solo-Trompete. Alleine wegen dieser beiden grossen Momente hat sich der Konzertbesuch gelohnt. Und selbstverständlich wegen des wohl von allen sehnsüchtig erwartete „Halleluja“, das nach seinem Erklingen vom ganzen Saal begeistert beklatscht wurde, als wäre man nur deswegen gekommen. Aber man muss auch sagen, der Chor der ZÜRCHER SINGAKADADEMIE hat in den letzten Jahren unter FLORIAN HELGATH dermassen an Qualität gewonnen und war auch für dieses Konzert prachtvoll einstudiert und immer auf dem Punkt, hier gab es kein Verschleppen oder Unsauberheiten, der Klang war farbenfroh und äusserst differenziert. Die Solist:innen sind absolut hochkarätig besetzt, neben den beiden erwähnten Einspringern begeistern MARY BEVAN (Sopran) und GUY CUTTING (Tenor). Und einmal mehr hört man, in welcher Liga das TONHALLE ORCHESTER spielt, nach diesem präzise musizierten Konzert müssen neben Heinz Saurer an der Trompete unbedingt ANITA LEUZINGER (Solo-Cello) und Konzertmeisterin JULIA BECKER erwähnt werden. Dieser fein differenzierte Klang – der jede noch so kleine Nuance auslotet und betont – der in dieser Aufführung zu hören war verdankt man JAN WILLEM DE VRIEND am Pult. Das Publikum feiert dieses wunderbar zelebrierte Oratorium mit wohlverdienten Standing Ovations. Bravo a tutti! Besser hätte mein Konzert-Jahr nicht enden können!
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