Georgia O’Keeffe – Fondation Beyeler Riehen

Mit einer grossen Retrospektive, die zuvor im Centre George Pompidou in Paris zu sehen war, ehrt die Fondation Beyeler eine der bedeutendsten Malerinnen des 20. Jahrhunderts – Georgia O’Keeffe. Zu sehen sind rund 80 Gemälde und Papierarbeiten, angefangen von ihren frühesten Abstraktionen bis hin zu ihren grossformatigen ikonischen Blumenbildern…

Unbestritten ist O’Keeffee eine herausragende und sehr interessante Persönlichkeit in der modernen amerikanischen Kunst, aber – wie immer wenn es um Kunst geht – ist ihr Werk Geschmacksache und wenn ich ganz ehrlich bin, haben mich am meisten die Schwarz-Weiss-Fotografien von Alfred Steglitz zu Beginn der Ausstellung beeindruckt. Zwischen 1918 und 1937 entstanden von ihm über 300 Fotografien mit Georgia O’Keeffe, zum Teil erotische Aufnahmen. Die in der Ausstellung zu sehenden Fotografien beeindrucken sehr durch ihr Licht- und Schattenspiel und die Omnipräsenz von Georgia O’Keeffe, für die Steglitz seine Frau verliess und sie heiratete. Auch mit anderen Fotografen war O’Keeffe befreundet und lies sich später von ihnen porträtieren, unter anderem Annie Leibovitz und Richard Avedon. Die Biographie von Georgie O’Keeffe, die mit über 80 Jahren noch ihre erste Weltreise unternahm, liest sich bereits auf den ersten flüchtigen Blick äusserst interessant – sie ist eine Ikone des Feminismus und natürlich stehen ihre Bilder für eine Interpretation der Welt in weiblicher Begrifflichkeit. Häufig werden ihre grossformatigen Blumenbilder und Nahaufnahmen von Blüten und Stempeln in eine erotische Ecke verschoben, was O’Keeffe aber zeitlebens abstritt. Ihre meist gegenstandslose, fast naiv wirkende Malerei, hat bei mir keinen grossen Eindruck hinterlassen. Zu häufig haben mich die Farbkombinationen und ihre Verläufe eher an Buchcover eines Esoterik-Verlages erinnert, als an mexikanische karge Wüstenlandschaften. Der Wirkung ihrer grossen Blumenbilder kann man sich jedoch nicht entziehen, sie wurden dann ab Mitte der 20er Jahre auch ihr Markenzeichen.

Das ein oder andere Werk von ihr beeindruckt schon, wie etwa „East River from the Shelton Hotel“, eine New Yorker Stadtansicht. O’Keeffe wohnte in diesem neuerbauten Hotel zwischen 1925 und 1936 im dreissigsten Stockwerk mit Blick auf Long Island City, Queens. Es zeigt in düsteren Farben die zunehmende Unzufriedenheit von O’Keeffe mit dem New Yorker Stadtleben. Die Erfüllung fand O’Keeffe wohl letztendlich in den ländlichen Gegenden Amerikas mit seinen endlosen Horizonten und weiten Landschaften. So schön es in der Fondation ist, mit seinem Park und den immer wieder wunderschönen Ausblicken auf die Felder und Wiesen, es herrscht immer viel zu grosser Andrang und nach jedem Besuch denke ich, es war das letzte mal. Es fehlt die Ruhe, die man in Museen auch manchmal sucht und findet. Nicht jedoch in Riehen. Schade.

Zuletzt besuchte Museen und Ausstellungen:

Charles Ray – Centre Pompidou/Bourse de Commerce Paris

Geometrische Opulenz – Haus Konstruktiv Zürich

Walter de Maria: The 2000 Sculpture – Kunsthaus Zürich

Francis Alÿs: As Long as I’m Walking – MCBA Lausanne

Écrits d’Art Brut – Museum Tinguely Basel

Camille Pissarro – Kunstmuseum Basel

Kirchner Museum – Davos

Ouverture/Collection Pinault – Bourse de Commerce – Paris

Musée cantonale de Zoologie – Lausanne

11 Kommentare

  1. Alexander Carmele

    Ich muss diese Biographie mal sehen, mit 80 Jahren um die Welt! Das ist doch mal ein Vorhaben. Toll. Ich kann mich diesen Blumenbildern auch nicht entziehen. Sie saugen einen förmlich auf, aber auf eine sonderbar freundliche Weise – zum Museum geht’s mir in Berlin genauso. Kleine Galerien sind häufig netter, Winzigstausstellungen mit einem klaren Fokus, wohin sich nur ganz wenig verlaufen, wo es beispielsweise nur Radierungen gibt oder so. Die Nischen und Ecken, da lebt und inspiriert es sich oft am Schönsten. Geruhsame Feiertage!!

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    1. arcimboldis_world

      Leider haben mir aber eben nur die Blumenbilder von ihr gefallen und eben diese eine Ansicht von New York, alles andere fand ich eher ziemlich langweilig, aber dafür hat O’Keeffe eine wirkliche spannende Biografie, mit der es sich lohnt, sich etwas intensiver auseinanderzusetzen, mal sehen, was es da an Biografien so gibt, das muss ich im Auge behalten. Ich bin immer wieder gerne in der wirklich tollen Fondation, aber die letzten Besuche haben mich immer sehr genervt, weil es so wahnsinnig viele Menschen hatte, da bin ich dann immer ziemlich schnell durch und war froh, wieder draussen zu sein. Schade! Wo bleibt da die Sinnlichkeit? Dir auch schöne Ostertage! Vier Tage am Stück Zeit für schöne Dinge! 🙂 herzlichst aus Zürich! A.

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