Tosca – Oper Zürich 3.10.2021

SONYA YONCHEVA, die bulgarische Sopranistin, singt eine Vorstellungsserie von Puccinis „Tosca“ in Zürich. Das alleine reicht als Grund, um die Wiederaufnahme von ROBERT CARSONs Inszenierung zu besuchen…

Auch wenn die Produktion mittlerweile etwas in die Jahre gekommen ist und teilweise schon etwas angestaubt wirkt, hat sie immer noch etwas ganz Spezielles, ist das Konzept auch heute noch überzeugend – das ganze Leben eine einzige Inszenierung, das ganze Leben ein einziges Spektakel auf einer grossen Bühne. Und so brennt sich immer wieder das grosse Schlussbild nach dem Sprung Toscas mit dem toten Cavaradossi auf der Bühne und den aufflammenden Rampenlichter dem Zuschauer in die Netzhaut ein. Wie bereits bei ihren wunderbaren Vorgängerinnen in dieser Inszenierung – Catherine Naglestad (2013) oder Anja Harteros (2017) – ist auch in dieser Wiederaufnahme SONYA YONCHEVA der unbestrittene Star des Abends, der weit über die männlichen Kollegen hinausstahlt. Der maltesische Tenor JOSEPH CALLEJA als Cavaradossi ist eher enttäuschend, zwar mit schön fundierter Mittellage, aber einem fast nicht auszuhaltendem Vibrato – das muss man wirklich mögen, für mich auch sonst eher undifferenziert und immer viel zu laut, von leisen und intimen Tönen keine Spur, selbst die Sternenarie war ziemlich dick aufgetragen – Schöngesang ist etwas anderes. Aber, die Geschmäcker sind verschieden. Schön und kraftvoll hingegen der Scarpia von THOMAS JOHANNES MAYER, der in Zürich bereits vor Jahren als Jochaanan in Sven-Eric Bechtolfs „Salome“-Inszenierung zu erleben war und seitdem ziemlich gewonnen hat, sowohl an Präsenz als auch an Stimme. Ein ebenbürtiger Partner für Sonya Yoncheva. MARTIN ZYSSETS etwas überdrehter, ja fast schon hysterischer Spoleto nervt etwas, es ist aber immer eine Freude ihn zu hören (zuletzt in der sehr schönen Inszenierung von Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“). Am Pult liefert erneut PAOLO CARIGNANI zusammen mit der PHILHARMONIA ZÜRICH herrlichste Puccine-Klänge, ohne allzu dick aufzutragen. CARSONS Inszenierung erzählt die Handlung unaufdringlich mit sehr konventioneller Personenregie, YONCHEVA, CALLEJA und MAYER liefern dazu grossen Operngestus von pathetisch ausgebreiteten Armen und divenhaftem Decollete-Griff, bis hin zum obligatorischen Kniefall, alles etwas dick aufgetragen, aber zusammen mit der Musik genau das richtige für einen herrlich kitschigen Opern-Sonntagabend…

Zuletzt besuchte Vorstellungen:

„Guerre et paix“ – Grand Théâtre de Genève 19.09.2021

„L’incoronazione di Poppea“ – Oper Zürich (WA) 14.09.2021

„Salome“ – Oper Zürich Premiere (livestream) 12.09.2021

„La Bohème“ – Teatro Comunale di Bologna 05.08.2021

„La vedova allegra“ – Teatro Lirico Giuseppe Verdi Trieste 25.07.2021

Die Geschichte vom Soldaten“ – Oper Zürich 11.06.2021

„Das schlaue Füchslein“ – Luzerner Theater 30.05.2021

„Intermezzo“ – Theater Basel 21.05.2021

„Les Contes d’Hoffmann“ – Premiere (livestream) Oper Zürich 11.04.2021

4 Kommentare

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