Martha oder der Markt zu Richmond – Oper Frankfurt 31.12.2019

Letzter Opernbesuch des Jahres 2019: Friedrich von Flotows (heutzutage) selten gespielte Biedermeier-Oper „Martha oder der Markt zu Richmond“ an der Oper Frankfurt – knappe zweieinhalb Stunden vergnügliche Unterhaltung vor dem Jahreswechsel, gesanglich stellenweise eher enttäuschend…

Nun, für den Jahresausklang war dieser Abend ganz witzig, noch dazu, wo ich das Werk noch nie gesehen habe (und jetzt abhaken kann…). Aber es hat schon seine Berechtigung, dass „Martha“ von den Spielplänen fast gänzlich verschwunden ist. Bis auf den Ohrwurm „Die letzte Rose“ (nach einem irischen Motiv von Thomas Moore) plätschert die Musik eher dahin und passt nicht wirklich in unsere heutige Zeit. Die Regisseurin KATHARINA THOMA hat das Beste daraus gemacht und eine sanfte Modernisierung der Texte sowie eine sehr zeitgemässe und humorvolle szenische Umsetzung 2016 auf die Bühne der Frankfurter Oper gebracht. Dabei gibt es köstliche Zitate (z.B. Harriet und Nancy surfen online auf der Dating-Plattform), witzige Kostüme (IRINA BARTELS) und eine schön-schlichte Ausstattung samt klug genutzter Drehbühne (ETIENNE PLUSS) zu sehen sowie einen erstaunlich prächtig singenden Frankfurter Opernchor mit grosser Spielfreude (Einstudierung: TILMAN MICHAEL). Die Inszenierung von Katharina Thoma bietet unzählige schöne Details wie etwa den pompösen Kurz-Auftritt von Queen Elizabeth II (eigentlich Queen Anne), die Szenen im Wohnwagen oder eben am oktoberfestlichen Heiratsmarkt „Richmond Fair“ samt Travestie und Cheerleading. Bereits von Anfang an ist jedoch klar, dass die Lady Harriet („Martha“) von JUANITA LASCARRO keine Idealbesetzung ist, ihr fehlt die Leichtigkeit in der Höhe, stattdessen klingt sie immer angestrengt und unschön schrill, das wird umso deutlicher im Zusammenspiel mit dem wunderbar-kraftvollen Alt von KATHARINA MAGIERAs Nancy, Harriets Freundin. Ebenfalls hervorstechend der klare handfeste Tenor von AJ GLUECKERT als Lyonel sowie der kanadische Bariton GORDON BINTNER (Plumkett). Dem szenisch sehr tuntig angelegten Lord Tristan Mickleford von BARNABY REA hätte etwas mehr Understatement und weniger Vordergründigkeit gut getan. Schön, dass der Percussionist GEORG HROMADKA immer wieder mit den unterschiedlichsten Instrumenten im Bühnen-Geschehen auftaucht und mitmischt. Am Pult stand der Frankfurter GMD SEBASTIAN WEIGLE und überraschte stellenweise mit fast romantisch-wagnerisch anmutenden Klängen, insgesamt absolut überzeugend und farbenprächtig-voluminös tönte das Frankfurter Opern- und Museumsorchester. Fazit des Abends: wahre Liebe setzt sich auch über Standesgrenzen hinweg – heute vielleicht glaubwürdiger als zur Entstehungszeit dieses Werkes. Gute Laune auf der Bühne, gute Laune im Parkett und auf der anschliessenden Silvesterparty in den Foyers mit überwiegend älteren Semestern an den Tischen. Aber wie eingangs erwähnt: Flotows „Martha“ – gesehen und nun (wohl ein für allemal) abgehakt…

Zuletzt besuchte Vorstellungen:

„Belshazzar“ – Oper Zürich 17.11.2019

„Cosi fan tutte“ – Oper Zürich 8.11.2019

„Die Sache Makropulos“ – Oper Zürich 6.10.2019

„La Traviata“ – Oper Zürich 29.09.2019

„Nabucco“ – Oper Zürich 24.09.2019

„Al gran sole carico d’amore“ – Theater Basel 22.09.2019

„Einstein on the Beach“ – Grand Théâtre de Genève 13.09.2019

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