La Sonnambula – Oper Zürich 09.05.2019

Es stellt sich schon immer wieder die Frage, warum man die konzertante Aufführung einer Oper besuchen soll.  Bei den Vorstellungen von Bellinis „La Sonnambula“ am Opernhaus Zürich ist dies ganz einfach zu beantworten – die bezaubernde Pretty Yende ist als Amina zu hören…

Warum dann bei einer konzertanten Aufführung trotzdem alle beteiligten Sänger ein Staging haben und mit übertriebenen Gesten an der Rampe spielen, das weiss allerdings der Himmel. Oder der musikalische Leiter/Dramaturg/Intendant/Abendspielleiter – whoever…? Man sitzt also irgendwo im Saal und lauscht und ab und zu verfolgt man das Geschehen bzw. die Übertitelung und wundert sich dann doch über diese stark übertriebenen Gefühlsregungen der Sängerriege in grosser Abendrobe und Smoking. Das ist total albern. Aber immer noch besser, als ein Stück mit einem derart dämlichen Plot szenisch umzusetzen, ist es allemal. Zudem kann man auch einfach die Augen schliessen und den wunderbaren Stimmen der Besetzung lauschen – auch wenn dieses Stück stellenweise ziemlich vor sich hin plätschert und erst zum Schluss hin wirklich fantastischen Belcanto bietet. Die südafrikanische Sängerin PRETTY YENDE ist zweifellos der überragende Star mit grosser Präsenz, ihr grosser schlafwandelnder Auftritt im letzten Akt, wenn sie sich ihren Weg von hinten durch den Chor nach vorne bahnt und im fahlen weissen Licht des Verfolgers das komplette Auditorium in den Bann zieht. Dann herrscht Totenstille im Saal und man kann sich ihrer Ausstrahlung nicht entziehen, ebenbürtig und zum Schluss hin endlich auch freigesungen LAWRENCE BROWNLEE als Elvino, der in den ersten Nummern noch ziemlich angestrengt unangenehm klang und nicht so recht mit der Stimme Yendes harmonieren wollte. Hatte die Aufmerksamkeit aufgrund des gelegentlich musikalischen Dahin-Geplätschers ab und zu etwas nachgelassen, so wurde man immer wieder durch den wunderbaren Bassbartion von KYLE KETELSEN aus dem Dämmerzustand zurückgerufen – herrlich voluminös und warm tönend, eine tolle Stimme. Besonders erwähnenswert sei noch SEN GUO als Lisa und die kurzfristig für die erkrankte Liliana Nikiteanu eingesprungene FREDERIKA BRILLEMBOURG als Teresa. Der Chor sang äusserst gepflegt, einstudiert von ERNST RAFFELSBERGER, am Pult stand MAURIZIO BENINI (der in Zürich bereits Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ dirigierte), der mit der Philharmonia Zürich wunderbar differenzierten und äusserst sängerfreundlichen Bellini erklingen lies. „La Sonnambula“ kann ich nun also abhaken, muss ich nicht nochmals hören – Pretty Yende schon. Unbedingt! 

Zuletzt besuchte Musiktheater-Vorstellungen:

„Manon“ – Oper Zürich 22.04.2019

„humanoid“ – Theater Winterthur 03.03.2019

„Lucia di Lammermoor“ – Oper Zürich 28.02.2019

„Der Rosenkavalier“ – Oper Zürich 27.02.2019

„Le grand macabre“ – Oper Zürich 16.02.2019

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